Säen, ernten, danken - feiern!

Dank in den Kirchen für die Ernte

29. September 2006

Roter Apfel

Mit dem Erntedankfest erinnern Christen am Sonntag, 1. Oktober, an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Das Fest soll deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Auch bei der Ernte bleibt er nach christlichem Verständnis auf Gott angewiesen, der Sonne und Regen gab und dem Boden die Kraft zum Wachstum verlieh.

Der Sommer endet mit einem Dank in den Gottesdiensten an Gott für die Ernte, für den Ertrag eines Jahres, der das satte Überwintern sichern möge. Aller Orten sind die Kirchen festlich geschmückt, mit Obst und Gemüse, mit Kornähren und Blumen. Auch wenn immer weniger Menschen mit dem Kreislauf von Säen, Wachsen und Ernten noch unmittelbar in Berührung kommen, ist es doch gut, dass das Erntedankfest seinen festen Platz im Jahreslauf der Kirche hat.

Das Erntedankfest gebietet Einhalt, ermöglicht Besinnung. Es öffnet uns den Blick auf all das, was uns geschenkt ist und was uns wirklich reich macht. Es ist Ausdruck unserer Freude an der Natur, an der Schöpfung, an der Kreativität und Phantasie der Menschen.

Aber es gehört auch die Klage über Niederlagen und Dürrezeiten dazu. Zugleich werden wir uns angesichts unserer selbst verursachten ökologischen Probleme bewusst, dass sich aus den Gaben Gottes auch drängende Aufgaben ergeben: Wir sind verpflichtet, mit der Schöpfung behutsam umzugehen, sie für die kommenden Generationen zu bewahren und dem Raubbau der Ressourcen zu widerstehen.

Beides, Freude und Klage, hat seinen Ort im Gottesdienst am Erntedankfest. Seit Jahrhunderten richten sich Menschen mit Lob und Klage an Gott als den Schöpfer. Darin drückt sich das Vertrauen aus, dass Gott das Leben schenkt und es auch bewahren will. Zeugnis davon gibt der Vers für das Erntedankfest aus dem 145. Psalm: Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.

Und den Dank für die Ernte des Jahres drückt auch das wahrscheinlich populärste Lied zu Erntedank von Matthias Claudius aus:

"Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!"

EKD-Ratsvorsitzender, Bischof Wolfgang Huber, zum Erntedank in der BZ