Jeder einzelne Mensch ist unendlich wertvoll

Für Politiker beten

05. November 2006

Von links nach rechts: Präses Barbara Rinke, Bundespräsident Horst Köhler und Bischof Wolfgang Huber

Ursprünglich sei geplant gewesen, dass der Bundespräsident am Vormittag die 5. Tagung der 10. Synode besuche, begann Horst Köhler am Nachmittag sein Grußwort vor der Synode. Es sei ein Akt "privater Familienpolitik", dass er erst am Nachmittag gekommen sei. Horst Köhler erzählt, dass sein Sohn am Vortag geheiratet hat. Diesen Verschiebungsgrund des Besuches quittiert die Synode mit Beifall und hört dann, dass sich der Bundespräsident bei der Synode "ein bisschen wie zu Hause" fühle: "Die evangelische Kirche sehe ich für mich als eine geistige und geistliche Heimat an."

Der Bundespräsident würdigte das Engagement der Kirche für Arme und Benachteiligte. Die Kirchen kennten sich an den Rändern der Gesellschaft aus. So seien sie oft die einzige Stimme derer, die keine Stimme und Lobby hätten. Dabei unterscheide sich christliche Hilfe von anderen gesellschaftlichen Beiträgen, weil sie durch das biblische Menschenbild geprägt sei: "Jeder einzelne Mensch ist unendlich wertvoll und kostbar, keiner ist überflüssig, keiner darf aufgegeben werden."

Er wünsche sich in zentralen und letzten Fragen die Stimme der Kirche, sagte Köhler vor der Synode der EKD. Dabei sollte die kirchliche Stimme nicht leiser sein als bei Ihren Stellungnahmen zur Politik.

Von der Kirche erwarte er, zwischen letzten und vorletzten Fragen zu unterscheiden, fügte das Staatsoberhaupt hinzu. Alle Politik betreffe vorletzte Fragen, die letzten Fragen beträfen den Sinn des Lebens. "Diese Frage wachzuhalten, darauf kommt es heute vielleicht am allermeisten an", betonte Köhler.

Schon am Vormittag hatte der bayerische Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident Günther Beckstein die versammelten Synodalen begrüßt und darauf hingewiesen, dass die EKD auf den Missstand der Armut im Land schon hingewiesen habe - "längst bevor landauf landab die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Schlagwort vom ‚abgehängten Präkariat' für Zündstoff gesorgt hat." Beckstein forderte die auf, die sich an der gesellschaftlichen Diskussion beteiligen, sich darum zu kümmern, dass die Probleme abgestellt und nicht Begriffe tabuisiert werden.

Gegrüßt hat auch die Oberbürgermeisterin der Stadt Würzburg, Pia Beckmann. Die evangelische wie auch die katholische Kirchen seien auch künftig gefordert, die frohe Botschaft "klar, unverwechselbar und einmütig" zu sagen. Sie forderte die Synode auf: "Nehmen Sie uns Politiker ins Gebet. Aber, bitte: Beten Sie auch für uns !"

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