Da wird es manchmal später

21-jährige Hotelfachkraft will auch 2009 dabei sein

08. November 2006

Max Fülller schenkt Präses Barbara Rinke ein

Am Rand der Synodentagung der EKD geben sich Politiker ein Stell-Dich-Ein: am ersten Abend Günther Beckstein von der CSU, am zweiten Hubertus Heil von der SPD. Eng ist es auf den Empfängen, zu den die Parteien ins Foyer des Würzburger Congress-Centrums einladen. Und mitten drin: Max Füller. Er bahnt sich seinen Weg durch die eng stehenden Gäste. Er füllt die Gläser nach. Zwei Flaschen hält er in der linken Hand - Weiß- und Rotwein, fränkischer Herkunft natürlich. Und für alle, die nicht von dem Frankenwein kosten wollen, steht er sofort mit Wasser und anderen Getränken bereit Das Lächeln weicht nicht aus seinem Gesicht, aber aufmerksam geht sein Blick: Max Füller, Hotelfachmann im "Maritim Würzburg", hat um 17 Uhr zu arbeiten begonnen, planmäßig endet sein Dienst um zwei Uhr nachts. Aber an diesen Abenden, bei den erst nach den Plenumssitzung beginnenden Empfängen, "wird es wohl ein bisschen länger dauern", sagt er. Sein Lächeln strahlt und er eilt weiter.

Zusammen mit 140 weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des von Direktor Jörg Bacher geführten Hauses kümmert sich Max Füller vom 5. bis 9. November um die Teilnehmer und Gäste der 5. Tagung der 10. EKD-Synode. So ein Ereignis kommt in der Hotelbranche nicht alle Tage vor, wie sein Chef, Veranstaltungsleiter Andreas Havlik, bestätigt. Größere Veranstaltungen gibt es des öfteren im "Maritim", aber die Synode ist doch eine Ausnahme: Knapp eine Woche lang herrscht Hochbetrieb im Haus, 1.400 Übernachtungen insgesamt, drei Mahlzeiten täglich, rund zehn Empfänge und etwa 60 Sitzungen am Rande der Tagung für Arbeitsgruppen, Gesprächskreise, und und und. "Die Anforderungen an unser Haus sind komplex", sagt Havlik, "häufig muss einiges spontan sehr schnell gehen". Aber auch er bleibt gelassen. Routine helfe bei der Bewältigung dieser Herausforderung - und die Tatsache, dass die Synodalen "einen guten, menschlichen Umgang mit dem Personal pflegen".

Max Füller stimmt zu: "Man erkennt gleich, wenn man mit Leuten locker reden kann. Ich war überrascht, dass die sich auch sofort für mich interessiert haben." Er hat die Synodentagung seit ihrem Anfang begleitet. Am ersten Abend war er mit dabei, als das Vorbereitungsteam der Synode in der "Weinstube" des Hotels begrüßt wurde. Seit einem Jahr arbeitet der 21-Jährige im Maritim Würzburg. Und manchmal muss er Menschen einfach nur zuhören - eben wie ein Theologe: In der "Weinstube" und auch an der Hotelbar kommt er nicht nur schnell ins Gespräch mit seinen Gästen, sie vertrauen ihm oft ihre Sorgen und Probleme an.

Mit den Teilnehmern der Synode aber macht ihm die Arbeit sichtlich Spaß. Nicht nur, dass er dafür gern ein paar Überstunden in Kauf nimmt, er hat sich auch gründlich informiert: "2009 findet doch wieder eine Synode in Ulm statt. Da wird es Wahlen geben", sagt Füller, der in Ulm aufgewachsen ist. Und dann ist es wieder da, sein Lächeln: "Dann können Sie mich gern wieder einspannen - ich stehe auf Abruf bereit."