30 Jahre Friedenspädagogik

Prominente setzen Zeichen

13. November 2006

Schüler als Streitschlichter

Politiker aller Parteien, Kirchenvertreter, Künstler und Wissenschaftler wollen in Deutschland mehr öffentliche Aufmerksamkeit für Friedenserziehung. Sie unterstützen die Aktion „Promote Peace Education“, die das Tübinger Institut für Friedenspädagogik anlässlich seines 30jährigen Jubiläums initiiert.

Seit 30 Jahren ist das Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (ehemals Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V.) als bundesweit einmalige Einrichtung eine treibende Kraft bei der Konzeption, Entwicklung und Umsetzung friedenspädagogischer Lernarrangements. Die Vermittlung von Sachwissen über Krieg und Frieden, die Förderung von Konfliktfähigkeit und die Befähigung zu friedenspolitischem Handeln und Zivilcourage stehen im Zentrum der Arbeit. Das Institut für Friedenspädagogik führt in seinem interdisziplinären Ansatz Forschungsergebnisse mit Erfahrungen der Bildungspraxis zusammen. Die daraus entstehende Expertise ist in Öffentlichkeit und Fachkreisen gefragt und trägt seit Jahrzehnten zur Fundierung aktueller Diskussionen über Gewalt in Familie, Schule, Gesellschaft sowie zu Friedensaspekten in der Weltpolitik bei.

Die Durchführung friedenspädagogischer Projekte gehört seit 1976 zu den in der Satzung verankerten Aufgaben. Dabei geht es um Ansätze zur Überwindung von Gewalt, um Modelle gegen Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, um den richtigen Umgang mit gewaltsamer Vergangenheit oder um Projekte, mit denen gerechtes und faires Zusammenleben der Menschen in Deutschland und weltweit gefördert werden kann.

Im Mittelpunkt der Projektarbeiten steht seit Jahren die systematische Entwicklung von Bildungsmedien. Dazu gehören Printmedien, Fachbücher, Broschüren, didaktische Materialien, CD-ROMs und Videos. Alle Medien werden in einem eigenen Verlag veröffentlicht. Die rund 200 bislang erschienenen Publikationen erreichen Auflagenhöhen von weit über zehntausend Exemplaren. Viele gelten in Fachkreisen und Bildungspraxis als Standardwerke, zum Beispiel für die Ausbildung von Streitschlichtern an Schulen.

Die Serviceleistungen des Instituts sind vielfältig: Beratung für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, Angebote von Fort- und Weiterbildung im Rahmen von Seminaren und Kursen, Lehraufträge, Vorträge im In- und Ausland oder Mitarbeit in Beiräten und Beratungsgremien. Ein umfangreiches Informationsangebot ist über das Internet abrufbar und wird täglich von rund 5.000 Besuchern genutzt (http://www.friedenspaedagogik.de).

Das Institut verfügt in Tübingen über eine Geschäftsstelle, einen großzügigen Seminarraum, eine öffentliche Leihbibliothek mit über 10.000 Publikationen sowie eine Mediothek. Gefördert wird die Tätigkeit des Instituts von der privaten Berghof Stiftung für Konfliktforschung, seinen über 200 Mitgliedern, von staatlichen Einrichtungen auf Bundes- und Länderebene, von Nichtregierungsorganisationen sowie der Stadt Tübingen.

Die weiterhin beunruhigenden Gewaltpotenziale in der eigenen Gesellschaft und die anhaltende Friedlosigkeit in vielen Teilen der Erde sind Anlass genug, um die Notwendigkeit friedenspädagogischen Denkens und Handelns in Gesellschaft und Politik noch deutlicher zu machen. Denn trotz aller Erfolge und Fortschritte ist es bislang nicht in einem befriedigenden Maße gelungen, Friedenspädagogik systematisch in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern oder anderen Zielgruppen zu verankern. Noch immer gibt es an keiner deutschen Universität einen Lehrstuhl für Friedenspädagogik und nachhaltig angelegte Förderung der Friedenspädagogik lässt zu wünschen übrig.

Vor diesem Hintergrund wurde mit einer bemerkenswerten Publikation die Aktion „Promote Peace Education. Viele Stimmen für den Frieden!“ gestartet. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dokumentieren ihre Anerkennung für die Arbeit des Instituts und formulieren ihre Erwartungen an Friedenspädagogik. Zu den über 50 Autorinnen und Autoren gehören die Politikerinnen Annette Schavan und Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Bischöfe Wolfgang Huber und Gebhard Fürst, der DFB-Präsident Theo Zwanziger, Buchautor Felix Huby, der Theologe Hans Küng und die Friedensforscher Dieter Senghaas und Volker Rittberger.

Promote Peace Education! - Meinungen anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V.