Alles hat seine Zeit

Advent ist im Dezember – oder: im Dezember ist Advent?

16. November 2006

Unterschriftssammlung gegen die frühe Öffnung des Weihnachtsmarkts

Alles hat seine Zeit – Advent ist im Dezember: So ist die Aktion der evangelischen Kirche überschrieben, die seit einigen Jahren zu einer bewussten Gestaltung der Feier- und Gedenktage im November und Dezember einlädt. Advent ist im Dezember – oder soll es eigentlich heißen: „Achtung, im Dezember ist Advent“, fragt sich Katja Dummer. Die Mitarbeiterin der Ökumenischen Werkstatt der Vereinigten Evangelischen Mission in Wuppertal hat ihre eigenen Erfahrungen mit der Vorbereitung auf die „besinnliche Zeit“ gemacht.

Alles hat seine Zeit! – Advent ist im Dezember.

Können Sie noch warten? Kommt Zeit, kommt Advent.

So lauten die Texte auf den Plakaten der Aktion „Advent ist im Dezember“, die wir in diesem Jahr schon im Oktober auf den Fluren der Ökumenischen Werkstatt aufgehängt haben. Schließlich sollen die Plakate vor der Adventszeit hängen und uns mahnen, den Advent wirklich erst im Dezember zu feiern – zu seiner Zeit. Ein breites Bündnis von Kirchen, Einzelhandel, Schaustellern und Verbrauchern hat diese Aktion ins Leben gerufen und setzt mit ihr einen Gegenpol zu Schokoladenweihnachtsmännern und Spekulatius im September.

Weil ich Aktionen wunderbar finde, habe ich schon im letzten Jahr ein Plakat im Büro aufgehängt und es nun - nach den Herbstferien - wieder an meine Tür geklebt. Als allerdings vor 2 Wochen ein guter Bekannter kam und mir einen gepa-Adventskalender vorbeibrachte, habe ich mich schnell vor das Plakat gestellt, damit er ihn nicht wieder mitnimmt.

Advent ist im Dezember. Überall schon Weihnachtsschmuck. Adventskerzen. Ich weiß genau, wenn ich erst in der Woche vor Advent anfange, Kerzen zu kaufen, gibt es keine schönen mehr.

Wer hat denn eigentlich beschlossen, dass man so was alles erst nach Ewigkeitssonntag kaufen darf? - Wahrscheinlich ein Mann, der nicht weiß, wie wenig Zeit einer armen gestressten Hausfrau, Mutter, arbeitenden Frau bleibt, Hausputz zu machen und alles neu zu dekorieren.

Der Druck wird langsam stärker: Eine Bekannte, Pfarrersfrau, erzählt, dass sie die Adventskalender für ihre 4 Kinder schon fast fertig hat. - Und ich? Nix ist fertig. Langsam steigt mir die Panik hoch. Mit dem Haribo Kalender im Laden liebäugeln meine Töchter zwar ... aber nein, Mama! Ein selbst gemachter ist doch viel schöner. Also fahre ich zu Ikea (um von keinem Bekannten erwischt zu werden) und fange an, dort Kleinigkeiten zu kaufen. Irgend wie findet auch eine Kiste mit 48 roten Weihnachtsbaumkugeln den Weg in meinen Korb. Ich weiß genau, rot wird schon nächste Woche ausverkauft sein – ich habe wirklich keine Wahl!

Meine Schwiegermutter bringt Spritzgebäck mit und deklariert es als Herbstkekse. Kekse. Adventskranz. Kalender. Panik!

Plötzlich weiß ich, diese Aktion, Advent ist im Dezember, das ist die versteckte Botschaft einer Leidensgenossin, einer Frau, die uns schon ab Oktober mahnt: Im Dezember ist Advent!

Im Dezember ist Advent (und nicht: Advent ist im Dezember), ruft uns die Leidensgenossin zu, denkt dran! Und dieses Jahr dauert er nur 3 knapp Wochen, treibt sie uns weiter an. Ihr schafft es nicht! Fangt jetzt schon an. Schaut auf meine roten und grünen Plakate! Kauft, plant, backt, packt ein, schreibt, - denn: im Dezember ist Advent!

Hiiiiiiilfe!

Einhalten. So geht das nicht. Ich kann nicht mehr. Bin völlig außer Puste!! Kann diesen – meinen – Ansprüchen nicht allen gerecht werden.

Alles hat seine Zeit, heißt es. Advent ist gar nicht der Hochleistungsmarathon für Mütter und Hausfrauen. – Nein? ist er nicht? Nein! ist er nicht!

Ich habe die Aktion wohl doch falsch verstanden. „Zeit“ heißt das Büchlein zur Aktion, nicht „Hochleistung“. Ob ich noch die Kurve kriegen kann?

Alles hat seine Zeit! Advent hat gar nichts zu tun mit Deko und Plätzchenbacken und Geschenken. - Nicht? Das hat sich jetzt bestimmt ein Single ohne Familie ausgedacht. Aber vielleicht sollte ich das doch ernst nehmen. Alles hat seine Zeit. Wenn ich schon ein paar Sachen eingekauft habe, dann macht das, glaube ich, nichts. Vor allem, wenn ich dadurch ein bisschen mehr die Zeit im Advent selbst genießen kann, weil ich dann weniger kaufen muss.

Advent ist im Dezember soll uns mahnen –- nein, erinnern – uns selber nichts vorwegzunehmen, nicht schon ab September mit Spekulatius und Schokoladenweihnachtsmännern Kaufrausch und Vorweihnachtszeit zu feiern.

ADVENT ist im Dezember. Advent! - Nicht Kaufrausch, sondern sich vorbereiten auf das Fest der Geburt Jesu.

Alle Jahre wieder das gleiche Fest aber andere Geschenke? Nein, alle Jahre wieder die Möglichkeit, unsere Beziehung zu Jesus zu erneuern. Die Erinnerung daran, dass Gott uns in seiner großen Liebe seinen Sohn geschickt hat. Erneuerung. Chance, mein Leben neu zu überdenken.

In diesem Jahr will ich es schaffen, diese Herausforderung anzunehmen. Oh, nein - schon die Wortwahl ist falsch. Eben keine Herausforderung, sondern Zeit der Stärkung. Die ich mir selber zugestehen sollte. „Meine Zeit in deinen Händen“, sagt der 31. Psalm. Wenn ich also meine Zeit in Gottes Hände gebe und mich nicht unter Leistungsdruck setze, dann kann ich mich vielleicht auch stärken in dieser Zeit, statt mich selber zu schwächen.  Einfach gesagt. Aber vielleicht gelingt mir ja ein bisschen davon in diesem Jahr.

ADVENT! ist im Dezember. Können Sie noch warten?

(Leicht gekürzte Version, vollständig nachzulesen auf den Seiten der Aktion "Advent ist im Dezember")

EKD-Pressemitteilung "Evangelische Adventsaktion eröffnet digitale Bastelwerkstatt"