Mütter und Kinder in Not

Kindern Fürsorge und Liebe zu teil werden lassen

15. Dezember 2006

Bettlerin mit Kind

Festlich geschmückt leuchten die Straßen deutscher Städte. Weihnachtsmärkte ziehen die Menschen an. Lichterglanz und der Duft von gebrannten Mandeln breiten sich aus.

Überall freuen sich die Menschen. Doch manche freuen sich nicht. Sie können sich nicht leisten, was da angeboten wird. Aber sie gehören dazu. Maria brachte ihr Kind in Bethlehem in einem armseligen Stall zur Welt. Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge, wie es in der Weihnachtsgeschichte heißt. In äußerster Not beginnt Jesus sein Leben. Und die Hirten von den Feldern ringsherum sind die ersten Gratulanten.

Wenn wir uns in diesen Tagen auf Weihnachten vorbereiten, brauchen wir Augen für die Not unserer Zeit. Die Weihnachtsgeschichte gilt auch denen, die heute hungrig oder arm, traurig oder einsam sind. Die Weihnachtsgeschichte gilt ihnen. Mich bewegen in diesen Wochen der Adventszeit besonders die Kinder. Die einen gewollt und vermisst, die anderen vernachlässigt.

Mütter, die ihre Kinder schmerzlich vermissen, waren bis gestern in Berlin. Zwanzig Mütter aus Beslan, der Stadt in Nordossetien. Sie haben ihre Kinder in dem grausigen Terrorakt vom 1. September 2004 verloren. Mütter, die zu Waisen geworden sind. 700 Menschen wurden damals verletzt, 400 getötet. Die meisten waren Schülerinnen und Schüler. In den vergangenen Jahren waren überlebende Kinder mit ihren Eltern eingeladen. Dieses Mal waren es Mütter, die um ihre Kinder trauern. Kinderlose Mütter.

In den ersten Jahren galt die Hilfe vor allem den schwer verletzten „Kindern von Beslan“. Die kinderlosen Mütter kamen dabei zu kurz. Angst und Leid sind noch immer in ihren Gesichtern zu lesen. Manche Ehen sind unter der Trauer um das getötete Kind zerbrochen. Manche Frauen wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder ein Kind zu haben, ein eigenes oder ein adoptiertes. Wie gern würden sie ihre Liebe und ihre Fürsorge weitergeben.

Zur gleichen Zeit, zu der diese Mütter in Deutschland waren, wurden mitten in Deutschland Kinder  aus verwahrlosten Wohnungen dem Jugendnotdienst übergeben. Polizisten hatten sie durch Zufall entdeckt. Von unbeschreiblichen Zuständen, von Tierexkrementen in der Wohnung und Maden im Kühlschrank ist die Rede. Die Mütter – Väter waren wohl nicht vorhanden – konnten ihren Kindern nicht die Fürsorge und Liebe zu teil werden lassen, die jedes Kind braucht.

Weihnachten feiern wir die Geburt des Kindes in der Krippe, mit dem Gott selbst zu uns Menschen kommt. Keiner ist von dieser Botschaft und der Freude darüber ausgeschlossen. Wahrhaft Weihnachten wird es dort, wo Menschen in Not Hilfe und Unterstützung erfahren. Wo sie spüren: Wir sind nicht allein.