Zwischen Furcht und Friedensverheißung

20. Dezember 2006

Bethlehem - beim Klang dieses Wortes denken Christen weltweit an Weihnachten, an die Geburt Jesu Christi, an die Krippe, den Stern, die Weisen aus dem Morgenland und an stimmungsvolle Lieder. Ein Wort, das einen mit wohliger Wärme erfüllt. Bethlehem steht dafür, dass Gott in die Welt, zu den Menschen kommt. Die kerzenbeschienenen Krippenszenen in Kirchen und Wohnzimmern spiegeln diese besinnliche Seite des Ereignisses. Ob Maria und Joseph die Nacht der Geburt ihres ersten Kindes als still und heilig beschreiben würden, darf bezweifelt werden. Im Stall wurde das Kind geboren, weil Bethlehem überfüllt war und sich kein Wirt über das junge Paar mit der hochschwangeren Frau erbarmen wollte. Die Zeiten waren unruhig – das erzählt auch die Geschichte vom Kindermord des Herodes, der Maria und Joseph kurze Zeit später zur überstürzten Flucht nach Ägypten zwang. Christus ist in einer Krisenregion geboren, er selbst war Willkür und Gewalt ausgesetzt. Zugleich verkündeten die Engel den Hirten auf dem Feld den lange ersehnten Frieden für alle Menschen.

Wer heute Bethlehem als "Stadt im Westjordanland" beschreibt, zeigt auf andere als weihnachtliche Bilder. Misstrauen, Angst, Not und Gewalt bestimmen die Nachrichten aus den palästinensischen Autonomiegebieten, im Gazastreifen noch bedrückender als im Westjordanland. Zwischen Bethlehem und Jerusalem verläuft eine bis zu zehn Meter hohe Sperrmauer. Rund 20.000 Menschen, mehrheitlich Christen, leben heutzutage in der Stadt. Dies sei kein Ort, an dem man Versöhnung lernen könnte, fasste ein Mitarbeiter der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Israel kürzlich seine Erfahrungen zusammen. Ein Zeichen der Versöhnung setzen will eine Delegation englischer Kirchenführer unter der Leitung des Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, die in der Woche vor Weihnachten nach Jerusalem und Bethlehem reist. Sie werden Orte besuchen, die von Jahrhunderten des Gebets und der Danksagung geheiligt wurden, erklärte der Erzbischof vor seiner Abreise. Zugleich werden sie mit Christen zusammen kommen, die große wirtschaftliche Probleme hätten und täglich um ihr Zuhause und ihre Sicherheit fürchten müssten. "Wir werden bei Menschen sein, Christen, Juden und Muslimen, deren Leben in unterschiedlicher Weise vom Terrorismus zerstört wurden und von dem Gefühl gegenseitigen Hasses und der Angst voreinander." Diese Menschen suchten verzweifelt nach Hoffnung und einem Ausweg aus dem Teufelskreis der Gewalt und Unsicherheit, so Rowan Williams in einer Radioansprache.

Die Delegation aus England, zu der neben dem Oberhaupt der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft leitende Geistliche christlicher Kirchen in Großbritannien gehören, wird am Mittwoch nach Jerusalem reisen, danach zwei Tage in Bethlehem verbringen und voraussichtlich am 23. Dezember nach England zurückkehren.

Die Welt, in die Jesus geboren wurde, sei der heutigen Situation nicht so unähnlich gewesen, erklärte der anglikanische Erzbischof. "Gottes Liebe kam an Weihnachten zu uns, weil wir Hilfe brauchen, die über unsere eigenen Fähigkeiten hinaus geht - nur dann können wir Hoffnung fassen."