Lust auf Kultur

Neue Räume der Begegnung entstehen

22. Januar 2007

Berlin, Köln, Hamburg oder auch Lübeck haben damit begonnen: Nun hat auch Bremen eine Kulturkirche. Die Bremische Evangelische Kirche gibt dem historischen Kirchenbau der St. Stephani-Gemeinde, zunächst befristet auf drei Jahre, ein kulturelles Profil. Die Angebote in den Kulturkirchen sind so verschieden wie die Städte und die Regionen, in denen die Kirchen mit dem besonderen Profil entstanden sind. Neben musikalischen Angebote, das nicht nur traditionelle Kirchenmusik umfasst, bieten die Kirchen einen ungewohnten und manchen überraschenden Raum für Theater, Ausstellung, Kabarett und Lesungen. Dass dabei Kultur und kirchliches Geschehen in Form von Kunst- und Kulturgottesdiensten verbunden wird, bringt der Raum allein mit sich und zeigt nur eines: Die neue Lust der evangelischen Kirche auf Kultur.

Deshalb hat die Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, zu mehr Dialog zwischen Kirche und Gegenwartskunst ermutigt. Entgegen anders lautender Gerüchte, passen Protestantismus und Kultur gut zusammen. Häufig haben die Kirchen, in denen zukünftig ein besonderes Augenmerk auf Fragen der Kultur und der gesellschaftlichen Prägung durch Kunst und Künstler gelegt wird, ihre eigene Geschichte und Tradition. So hat Bremen seine Kulturkirche etwa in der denkmalgeschützten 868 Jahre alten evangelischen Stephani-Kirche angesiedelt. Die im Baustil der Gotik gestaltete Kirche bietet Raum für den Dialog mit der Gegenwartskunst und schafft so Raum nicht nur für das Gespräch mit Kulturschaffenden, sondern auch zur Begegnung der Kulturen.

Kunst, das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, kann in Fabrikhallen oder im Bunker ebenso stattfinden wie auf dem Flughafen oder im Bürgerpark. Kirchen sind sinnlich-aktiver Raum, die nicht nur die echten Patina vergangener Jahrhunderte bieten, sondern auch die Erfahrung der Menschen in der Gegenwart. Das Leben der Menschen wird auch deswegen in den Kirchen seinen Platz haben, weil es in den Kulturkirchen den üblichen Gemeindegottesdienste, Taufen und Trauungen gibt. Dies betont der Leitende Theologe der Bremischen Landeskirche, Louis Ferdinand von Zobeltitz.

In Bremen startet die Kulturkirche mit einem vergänglichen Kunstwerk: „Geld wie Sand. Eine Installation in vier Phasen von Dolf Bissinger, Jens Bommert und Henri Stridde.“ In vier Phasen verändert sich das Kunstwerk, das aus mehr als 100 Tonnen feinen Sand besteht. Die Künstler schaffen mit den Veränderungen überraschende Begegnungen mit repräsentative Symbolen anderer Kulturen, beispielhaft die der Hochkultur Altägyptens, und des japanischen Zenbuddhismus, mit denen des christlichen Abendlandes und den Mechanismen der Kapitalismuskultur verwoben werden.

„Räume der Begegnung“, so hat der Rat der EKD vor fünf Jahren seine gemeinsame Denkschrift zum Thema „Religion und Kultur“ überschrieben – Räume der Begegnung entstehen dort, wo Menschen mit Religion und Kultur ins Gespräch kommen.

Der Vortrag der EKD-Kulturbeauftragten Petra Bahr zur Eröffnung der Kulturkirche St. Stephani in Bremen

Kulturkirche St. Stephani