Zukunftskongress auf historischem Boden

Martin Luther leitete 1517 in Wittenberg die Reformation ein

23. Januar 2007

Unmittelbar vor Beginn des EKD-Zukunftskongresses zeigt sich die Lutherstadt Wittenberg von ihrer schönsten Seite. Die Sonne strahlt, der Himmel wirkt wie blank geputzt, die Luft ist klar und still. Beste Voraussetzungen, um an historischem Ort über Vergangenheit und Zukunft, Traditionen und Visionen, Bewährtes und Erneuerbares nachzudenken. Vom 25. bis 27. Januar versammeln sich in der Stadt, in der Martin Luther mit dem berühmten Thesenanschlag im Jahr 1517 die Reformation einleitete, rund 300 Menschen zur Debatte über die „Kirche der Freiheit“.

„Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen“ so das Dokument mit den 95 Thesen von Martin Luther, „soll in Wittenberg ... über die folgenden Sätze disputiert werden.“ Fast 500 Jahre später zieht die „Thesentür“, an die der Reformator der Legende nach das Schriftstück mit schweren Hammerschlägen genagelt haben soll, Touristen aus aller Welt an. Dass an dem Eingang inzwischen eine Bronzetür hängt, die die Geschichte der Reformation in Bildern erzählt, tut der Faszination keinen Abbruch. Der Innenraum der Schlosskirche bietet eine weitere Gedenkstätte: Unter der Kanzel liegt Luther begraben. Auch Philip Melanchthon fand sein Grab in dieser Kirche.

Für die Menschen, die am Donnerstag Abend vergangener Woche in der Schlosskirche Gottesdienst feierten, klang es nach Weltuntergang: Mit Blitz, Donner und Hagelsturm tobte der Orkan „Kyrill“ um die Kirche. Als von draußen ein ohrenbetäubender Schlag zu hören war, ahnten die Gottesdienstbesucher nicht, wie knapp sie einer Katastrophe entgangen sind. Zwei Schmucksäulen hatten sich weit oben vom Turm gelöst und waren in die Tiefe gestürzt. Jede der Säulen wiegt drei Tonnen. Eine zerschellte im Hof der Schlosskirche, die zweite zerbrach auf dem First der Kirche und stürzte teilweise in das Dach der benachbarten Jugendherberge. Nur ein halber Meter weiter zur Seite und die Säule wäre durch das Kirchendach und die Orgel bis auf den Boden der Kirche gestürzt. "Gott sei Dank war der Gottesdienst noch nicht zu Ende", sagt Pfarrerin Hanna Kasparick, Direktorin des Predigerseminars. "Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn die Menschen zu dem Zeitpunkt die Kirche verlassen hätten."

Aus Sicherheitsgründen bleibt die Schlosskirche vorläufig gesperrt. Der Abschlussgottesdienst des EKD-Zukunftskongresses am Samstag Abend wird in der Stadtkirche stattfinden.