Radio Paradiso: Erfolg in der Nische

Der christliche Privatsender feiert zehnjähriges Bestehen

09. Februar 2007

"Deutschlands idyllischstes Funkhaus", so die Eigenwerbung von Radio Paradiso, liegt am Kleinen Wannsee in Berlin, weitab vom hauptstädtischen Mediengeschehen. Aus einer ehemaligen Siemens-Villa, auf dem Gelände des evangelischen Immanuel-Krankenhauses, hat man einen wundervollen Blick auf den See. Selbst aus den Räumen im Souterrain, wo Radio Paradiso, das einzige christliche Privatradio Deutschlands, untergebracht ist.

Im Empfangsraum drängen sich viele junge Menschen, mitten unter ihnen am Computer die Chefin vom Dienst. Im Nebenzimmer teilen zwei Redakteurinnen sich einen Arbeitsplatz. Geschäftsführer Matthias Gülzow residiert einen Raum weiter. Das größere der beiden Studios ist kompakt, das kleinere könnte Platzangst auslösen. Auf schmalen zehn Quadratmetern ist die gesamte Technik aufgetürmt. Wer bei einem Funkhaus an den Mainzer Lerchenberg denkt oder an den großen WDR in Köln, wird am Berliner Wannsee eines Besseren belehrt. Es geht auch eine Nummer kleiner.

Der 41-jährige Gülzow redet schnell und pointiert. Dabei muss er nicht mehr ums Überleben kämpfen. Die stürmischen Zeiten von Radio Paradiso, das 1997 als erstes Privatradio mit christlicher Orientierung an den Start ging und im folgenden Jahr bereits vor dem Konkurs stand, sind längst vorbei. Auch die heftigen Debatten um die christliche Ausrichtung des Senders sind abgeklungen. Längst ist der "Wellness-Sender", der nach dem Motto "Wer fühlen will, muss hören" die Ohren der Berliner mit Schmuse-Sound vergangener Jahrzehnte umspült, aus den Schlagzeilen heraus. Und seit 2002 sind auch die roten Zahlen der Pionierzeit überwunden. Am Montag, 12. Februar, feiert der Sender sein zehnjähriges Bestehen.

"Radio Paradiso ist der Versuch, sich ohne Zuschüsse wirtschaftlich auf dem Markt zu behaupten", erklärt Gülzow. "Wir sind gezwungen, so viele Menschen zu erreichen, dass wir uns finanzieren können und gleichzeitig unsere Botschaft aussenden." 33.000 Berliner pro Stunde und 280.000 am Tag lauschen im Durchschnitt dem gut gelaunten Popsender, zu dessen Beirat die Berlin-brandenburgische evangelische Landeskirche, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Schöneberg, die Evangelische Darlehnsgenossenschaft, der Evangelische Presseverband Nord und die Immanuel Diakonie in Berlin sowie 85 Einzelkommanditisten zählen.

Zur Finanzierung werden pro Jahr 2,5 Millionen Euro benötigt, die zu neunzig Prozent aus Werbeerlösen stammen. Damit können der Sendebetrieb aufrechterhalten und die Gehälter des achtköpfigen Radioteams gezahlt werden. Für die christliche Botschaft ist eine Theologin zuständig, die Sendungen wie "Gedanken zum Auftanken" hauptamtlich betreut.

Zum größten Teil besteht das Programm jedoch aus Musik. "Der sanfte Morgen" wechselt in den "Entspannten Vormittag", bevor der "Entspannte Nachmittag" in den "sanften Abend" überleitet. Zwischen 21 und 23 Uhr gibt es Kultur-, Gesundheits-, Reise- und Ratgebersendungen mit Wortanteil. "Die Hörerzahl hängt fast vollständig vom Musikformat ab", begründet Matthias Gülzow den 80-prozentigen Musikanteil seines Senders. "Wir würden nie das Wort um des Wortes willen machen. Die Sendungen müssen die Leute packen." Das Konzept hat sich durchgesetzt. Erfolgreich hat sich Radio Paradiso auf dem schwierigen Berliner Markt gegen Mitbewerber behauptet.

Mit einer Tagung zum Thema "Die christliche Message in der digitalen Radiozukunft" und einem Festgottesdienst feiert der Berliner Sender Radio Paradiso am Montag sein zehnjähriges Bestehen. Die Predigt im Festgottesdienst am Montag in der Kirche am Immanuel Krankenhaus hält der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber.

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