Ein Bischof auf ungewöhnlichen Wegen

Ein ganzes Jahr lang keine Meile mehr fliegen

15. Februar 2007

Es ist heute möglich, für weniger als 20 Euro von Hamburg nach Paris zu fliegen, man kommt innerhalb von 2 Stunden von Sizilien nach Edinburgh, von Barcelona nach Berlin. So genannte Billigflieger lassen Verkehrsmittel wie Bahn, Bus oder gar das Auto alt aussehen.

Aber vielleicht ist das einfachste nicht immer das beste. Der Bischof von London, Richard Chartres, hat beschlossen, für ein ganzes Jahr lang keine Meile mehr zu fliegen, weder privat noch dienstlich. Um ein deutliches Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel zu setzen, wird er im kommenden Jahr mit Bus oder Bahn unterwegs sein. Nachdem er bereits im vergangenen Jahr mehrfach hatte verlauten lassen, angesichts der heutigen Klimaerwärmung sei es selbstsüchtig oder gar eine Sünde, weiterhin mit dem Flugzeug zu fliegen oder ein großes Auto zu fahren, wurde er nun bei einem Fernsehinterview darauf festgenagelt, seine eigene Aussage beim Wort zu nehmen. Der Bischof gab seine Zusage – nun heißt es für seine Mitarbeiter, neue Reisepläne auszuarbeiten. Manch ein Termin wird ganz ausfallen müssen, berichtet der Bischof. Aber dafür bleibt Zeit für das Wesentliche: „Nur wenn man auch Muße zum Nach-Denken hat, können sich Erlebnisse in Erfahrungen verwandeln.“

Mit großer Selbstverständlichkeit spricht Bischof Chartres über seine Aktion. Für ihn bedeutet seine Abmachung eigentlich nur eine logische Konsequenz seiner Überzeugung, auch wenn seine Geste in erster Linie doch symbolischen Wert haben soll. Die Sprache der Symbolik ist ihm wichtig: Themen wie Klimaschutz und globale Erwärmung könnten am besten über zeichenhafte Aktionen die Köpfe und Herzen der Menschen erreichen.

Auch zur dritten Etappe auf dem Weg zur Dritten Europäischen Ökumenischen Konferenz (EÖV3) ist Chartres heute mit der Bahn nach Wittenberg gekommen. Von der Haltestation Waterloo in London über Brüssel und Berlin direkt nach Lutherstadt Wittenberg. „Es würde vermutlich gut klingen, wenn ich sagen würde: Die Reise war eine große Strapaze“, schmunzelt der anglikanische Geistliche. „Tatsächlich war es sehr bequem.“ Immerhin hat die Reise fast 14 Stunden gedauert.  Auch bei dem Europäischen Ökumenischen Treffen in Wittenberg wird das Thema "Bewahrung der Schöpfung" und Klimawandel auf der Tagungsordnung stehen. Aber noch eine andere große Hoffnung verbindet Bischof Chartres mit seinem ersten Besuch in Wittenberg: „Ich will das lutherische Erbe erleben.“ Es gehe ihm nicht um ein wissenschaftliches oder historisches Verständnis des lutherischen Protestantismus – damit habe er sich als Kirchenhistoriker genug beschäftigt. Vielmehr hofft er darauf, zu verstehen, was gelebter Protestantismus für die Menschen in Deutschland heute bedeutet. Verstehen mit dem Herzen statt durch Exegese und Quellenarbeit.

Ökumenisches Treffen in Wittenberg (mehrsprachig)