Protestantische Geschichte - moderne Ökumene

In der Leucorea-Universität zu Wittenberg diskutieren die Kirchenvertreter

16. Februar 2007

Landesbischöfin Margot Käßmann, Erzbischof Anasthasios von Albanien und Bischof Wolfgang Huber

Der Weg der Dritten Europäischen Versammlung führt über Lutherstadt Wittenberg, die Stadt Martin Luthers und der Reformation. Hier treffen sich 150 Delegierte aus allen europäischen Kirchen und tagen in den Räumen der ehemaligen Leucorea-Universität, ein Gebäude, dass protestantische Geschichte atmen lässt.

1502 gründete der Kurfürst Friedrich III., genannt "der Weise", in Wittenberg die kursächsische Landesuniversität mit dem Namen "Leucorea". "Unter meiner Herrschaft begann Wittenberg zu lehren", ließ er in das Siegel der neuen Universität einprägen. Wie weise und weit reichend seine Entscheidung wirklich war, zeigte sich bald. Am 18. Oktober 1502 wurde die Universität feierlich eröffnet. Der Studienbetrieb fand zunächst in den Räumen der umliegenden Franziskaner- und Augustinerklöster statt. 416 Studenten zählte der erste Studiengang. Die damals noch übliche päpstliche Bestätigung erfolgte erst 1507 - damit handelte es sich bei der Leucorea-Universität um die erste landesherrliche Universitätsgründung Deutschlands. Das heute als Leucorea bekannte Gebäude wurde als Teil der Universität unter dem Namen "Collegium Fridericianum" 1503/04 errichtet, um eigene, ausdrücklich nur für den universitären Betrieb bestimme Räume zu Verfügung zu haben.

Schnell erlangte die Universität in Wittenberg weltweite Bedeutung: ab 1518 lehrte an diesem Ort Martin Luther als Professor und zeitgleich wurde der damals gerade erst 21jährige Phillip Melanchthon nach Wittenberg berufen. Die beiden wurden schnell Freunde und engste Vertraute. Reformation und Humanismus prägten von nun an das geistige Leben der Universität. Sie bildeten das Fundament für den geistigen Aufschwung und die Entfaltung eines freien, unerschrockenen Geistes, der letztendlich Grundlage für die Reformation und den Beginn der Neuzeit war. Zwischen 1530 und 1620 war die Leucorea in Wittenberg die meistbesuchte Universität Deutschlands und bestimmte für die kommenden Jahrhunderte das Leben der Stadt Wittenberg. Berühmte evangelische Gelehrte und unterschiedlichster Fachrichtung haben an der Leucorea ihre akademische Ausbildung genossen oder an der Universität gelehrt.

1694 gründete Kurfürst Friedrich III. im benachbarten Halle die kurbrandenburgische Universität, die als die erste "Reformuniversität" Deutschlands bekannt wurde.

Sowohl die Leucorea-Universität in Wittenberg als auch die Universität in Halle mussten während der Napoleonischen Kriege mehrfach geschlossen werden. 1817 wurden die beiden Universitäten Halle und Wittenberg auf Anweisung des Preußischen Königs zusammengelegt: In Halle entstand die neue Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg. Für die Stadt Wittenberg und das Fridericianum aber bedeutete dies das Aus für das universitäre Leben. Wittenberg wurde mehr und mehr zu einer vom Militär geprägten Stadt und die Gebäude der Leucorea wurde zur Kaserne umgebaut.

Noch 1933 wurde zum 450. Geburtstag von Martin Luther die Vereinigte-Universität Halle-Wittenberg in Erinnerung an ihre Wurzeln in "Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg" umbenannt, doch die Gebäude der ehemaligen Leucorea-Universität in Wittenberg blieben weiter in der Hand des Militärs.

Während der Zeit der DDR wurde ein Teil der Leucorea in Wohnungen umgebaut. Die Pflege der Gebäude aber wurde stark vernachlässigt und nach der Wende war die gesamte Anlage stark renovierungsbedürftig.

Nach 1990 wurde nach einer Möglichkeit gesucht, die alte Universität in Wittenberg wiederzubeleben und das historische Gebäude möglichst kostengünstig zu sanieren. Da aber mittlerweile sowohl in Halle als auch in Magdeburg große Universitäten vorhanden waren, musste ein anderer Weg gefunden werden, das akademische Leben nach Wittenberg zurückzuholen. Die Lösung: 1994 wurde auf Beschluss des Landes Sachsen-Anhalt die Leucorea als Stiftung öffentlichen Rechts neu gegründet mit der Auflage, Hand in Hand mit der Martin-Luther-Universität in Halle zusammenzuarbeiten. Damit kehrte das internationale Leben langsam nach Wittenberg zurück. Die Leucorea als Veranstaltungsort, für Tagungen, Seminare und Fortbildungen ist heute wieder in ganz Deutschland beliebt. Moderne Einrichtung verbindet sich mit historischem Flair, in dem sich auch die Delegierten der europäischen Kirchen sichtlich wohl fühlen.

Ökumenisches Treffen in Wittenberg (mehrsprachig)

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