Junge Menschen bewegen Europa

14. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ startet in Greifswald

23. Februar 2007

Sibiu/Hermannstadt in Rumänien: Ion und seine Schwester Maria, 10 und 7 Jahre alt, lebten noch bis vor knapp zwei Jahren mit ihrem Vater in einer heruntergekommenen  Einzimmerwohnung. Die Mutter war davongelaufen, der Vater, selbst schwerkrank, ist kaum in der Lage seine Familie zu ernähren und schickt seine Kinder auf die Straße zum Betteln. Es herrschten Armut, Krankheit, Einsamkeit. Bis das „Offene Haus“ für Straßenkinder, gefördert durch die evangelische Aktion „Hoffnung für Osteuropa“, in Sibiu öffnete. Ab 12 Uhr mittags bekommen schulpflichtige Kinder hier ein warmes Mittagessen, werden am Nachmittag von Sozialpädagogen betreut, machen ihre Hausaufgaben oder spielen einfach miteinander. Schule schwänzen, herumlungern in den Straßen und Hinterhöfen war einmal. Ion und Maria möchten keinen Tag im „Offenen Haus“ missen.

Ana, eine junge Frau, erfolgreich im Beruf, voller Lebensfreude und Tatendrang. Dann bekommt sie plötzlich die Diagnose: Sie hat Multiple Sklerose. Ihr Leben ändert sich schlagartig, in Rumänien ist die Behandlung von MS kaum möglich, die Diagnose kam bereits viel zu spät. Heute, wenige Jahre später lebt sie von einer mickrigen Krankenrente mit mehreren Familienmitgliedern in einer winzigen Wohnung. Sie kann sich nicht mehr bewegen und muss von ihrer selbst eigentlich schon pflegebedürftigen Mutter versorgt werden. Ärztliche Hilfe oder Unterstützung durch eine Pflegekraft kann sich die Familie nicht leisten. Die Situation ist für alle Beteiligten kaum noch zu ertragen. Einzige Hoffnung bekommt Ana durch das neue Hospiz, finanziert von der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“. „Danke!“, sagt Ana,“ dort werde ich aufgenommen, wenn es zu Hause nicht mehr geht.“

Das sind nur ein paar der Menschen, denen mit der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ geholfen werden konnte.

Am 25. Februar wird in Greifswald mit einem Gottesdienst die nunmehr 14. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ deutschlandweit eröffnet. Unter dem Motto „Junge Menschen bewegen Europa“ rufen die evangelischen Kirchen in diesem Jahr dazu auf, insbesondere die jungen Menschen im Osten Europas zu unterstützen, die sich sozial engagieren und dafür sorgen, dass Alte, Kranke, Behinderte und sozial Schwache nicht unter die Räder der jungen Marktökonomien dieser Länder kommen. „Sie tragen dazu bei, ihren Gesellschaften Werte wie Barmherzigkeit und Gemeinwohlorientierung ins Herz zu pflanzen – Tugenden, die Europa dringender denn je braucht“, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Spendenaktion beim Diakonischen Werk der EKD.

Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ will so diesmal vor allem auf das Elend der Kinder und Jugendlichen aufmerksam machen, die aufgrund von wirtschaftlicher Not, Krankheit oder Behinderung dringend Unterstützung brauchen: „“Junge Menschen bewegen Europa“ meint schließlich auch, dass wir uns von der Not junger Menschen bewegen lassen“, betont Cornelia Füllkrug-Weitzel, „insbesondere junge Familien sind im Osten Europas in einer tiefen Krise. Bittere Armut verhindert, dass Eltern ihren Kindern geben können, was sie für ihre Entwicklung so dringend brauchen. Und viele Regierungen sind noch nicht in der Lage, bedürftige Familien und Kinder ausreichend zu unterstützen.“

Die Aktion "Hoffnung für Osteuropa" wird getragen von der EKD, den Evangelischen Landeskirchen mit ihren Diakonischen Werken, von den Diasporawerken Martin-Luther-Bund und Gustav-Adolf-Werk und evangelischen Freikirchen. Sie unterstützt Einrichtungen für Straßenkinder, Diakonie- und Sozialstationen, Bildungseinrichtungen, Altenheime, Kindergärten sowie Projekte gegen Menschenhandel, der AIDS- und Drogenprävention und der diakonischen Gemeindearbeit. Die Projekte werden von Partnerorganisationen in ihren Ländern vorbereitet und durchgeführt. Seit 1994 rufen die evangelischen Kirchen zu Spenden hierfür auf. Circa 16, 2 Millionen Euro wurden seither gesammelt und für jährlich etwa 150 Projekte verwendet. Allein im vergangenen Jahr konnten 1,5 Millionen Euro gesammelt werden und dank dieses Geldes mehr als 100 Projekte in über 14 Ländern Mittel- und Osteuropas gefördert werden.

Seit 1995 wird von der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ in Kooperation mit dem Institut für Journalistik der Universität auch der mit 1000 Euro dotierte „Journalistenpreis Osteuropa“ vergeben. Für das Jahr 2007 geht der Preis an die 24-jährige russische Redakteurin Ksenia Maksimova. In ihrer Reportage „Anatomie des Lebens“ für die Moskauer Zeitung „Moskowskij Komsomolez“ schildert sie die Erfahrungen des jungen Studenten Sascha, der aufgrund seiner AIDS-Erkrankung fast erblindet, stigmatisiert und von Freunden und Familie verlassen ist. Der Preis wird im Rahmen der Eröffnungsfeier übergeben.