Woche der Brüderlichkeit

Jahresthema 2007: „Redet Wahrheit“

09. März 2007

Von Aachen in Nordrhein-Westfalen bis Zwickau in Sachsen begehen Christen und Juden gemeinsam die Woche der Brüderlichkeit. Die mehr als 80 örtlichen Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden zu Veranstaltungen im Bundesgebiet ein, die zentrale Auftaktveranstaltung findet dieses Jahr in Mannheim am 11. März unter dem Motto "Redet Wahrheit!" (Sacharja 8,16) statt.

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gründeten sich nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat. Im Wissen um die historische Schuld stellten sie sich der bleibenden Verantwortung angesichts der in Deutschland und Europa von Deutschen und in deutschem Namen betriebenen Vernichtung jüdischen Lebens. Wichtigstes Ziel der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden zu fördern und so dem Antisemitismus und seiner Menschenverachtung entschlossen entgegenzutreten.

Bereits seit 55 Jahren veranstalten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit daher im März eines jeden Jahres die Woche der Brüderlichkeit. Die erste Woche der Brüderlichkeit eröffnete 1952 der damalige Bundespräsident Bundespräsident Theodor Heuss. Während zu Beginn die Woche der Brüderlichkeit sich noch um Wahrnehmung in der Gesellschaft bemühen musste, wird die Eröffnungsveranstaltung jetzt live im Fernsehen übertragen, Schirmherr ist der Bundespräsident. Seit 1968 verleiht der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit außerdem die Buber-Rosenzweig-Medaille. Die nach den beiden jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig benannte Medaille zeichnet Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Preisträger in diesem Jahr sind die Journalisten Esther Schapira und Georg M. Hafner.

Im letzten Jahr fand zum ersten Mal im Rahmen der  Woche der Brüderlichkeit ein offizielles Gespräch zwischen den deutschen Rabbinerinnen und Rabbinern, dem Präsidenten der Vatikanischen Kommission für die Religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Walter Kasper, sowie dem EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber und dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann statt. Dieser Dialog wird in diesem Jahr fortgesetzt, nach einem Arbeitstreffen der christlichen und jüdischen Repräsentanten gibt es Vorträge zu ethischen bzw. halachischen Fragen. Judentum wie Christentum berufen sich bei in ihrer Urteilsfindung auf die biblischen Grundlagen, aktualisieren aber die in der Bibel überlieferten Gebote unterschiedlich. Wichtig das beide Religionen gemeinsam Verantwortung in einer multireligiösen und säkularen Welt übernehmen.

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit stehen in der historischen Verantwortung der Geschichte, dabei ist es jedoch wichtig, den Blick auch nach vorne in die Zukunft zu richten und das Verständnis zwischen jungen Juden und Christen zu fördern. Diese Aufgabe übernimmt das Forum Junger Erwachsener des Deutschen Koordinierungsrates. So veranstaltet er in Mannheim ein interreligiöses Kulturcafe mit Lifemusik mit dem israelischen Geschichtenerzähler Elija Avital. Begleitet von Trommel und Akkordeon erzählt er aufs Neue die Geschichten von Menschen der Bibel mit ihren Sehnsüchten, Schwächen und Tugenden, die Deutsche und Juden, Israelis und Deutsche bewegen. Christlich-jüdische Gemeinsamkeiten werden hier für junge Menschen unmittelbar erfahrbar. Gerade dieser Aspekt in der Arbeit der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wird immer wichtiger in einer Zeit, in der die Zeugen der Shoa immer weniger werden.

Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit