Gemeindejubiläum in Kiew

EKD-Ratsvorsitzender zu Besuch in der ukrainischen Hauptstadt

19. März 2007

Blick auf Kiew

Das Sonnenlicht, das während des Festgottesdienstes durch die modernen Kirchenfenster der Sankt Katharinen-Kirche in Kiew fiel, schien die Predigt des EKD-Ratsvorsitzenden in besonderer Weise zu untermalen. Im Mittelpunkt der Predigt stand der Autor des Liedes „Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne“, Paul Gerhardt, aber nicht nur der 400. Geburtstag des evangelischen Liederdichters, sondern auch das doppelte Gemeindejubiläum der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in der ukrainischen Hauptstadt galt es zu feiern. Vor 240 Jahren hatte in Kiew der erste evangelische Gottesdienst stattgefunden. Vor 150 Jahren wurde die Sankt Katharinen-Kirche eingeweiht. Wolfgang Huber überbrachte am 18. März die Glückwünsche des Rates der EKD an die Gemeinde.

„Wir müssen neu lernen, dass die Ukraine zu Europa gehört“, darin waren sich Wolfgang Huber und der Kardinal-Großerzbischof Lubomir Husar einig. Der fast achtzigjährige Leitende Geistliche der griechisch-katholischen Kirche erkundigte sich mit großem Interesse nach der 3. Ökumenischen Europäischen Versammlung (EÖV3), zu der im Februar eine Vorbereitungstagung in Wittenberg stattgefunden hatte. „Europa braucht das christliche Zeugnis“, erklärte Kardinal Husar. „Die Kirchen haben Europa etwas zu bieten – diese Mission müssen wir annehmen.“ Wie die Kirchen im 21. Jahrhundert ihr Zeugnis in der Welt verbreiten könnten, auch darüber macht sich der Würdenträger Gedanken: „Wäre Christus heute in der Welt – wie würde er wohl das Internet nutzen?“ fragte er in wohlüberlegtem Deutsch. Er würde das Internet sicher zur Verkündigung des Evangeliums nutzen, zeigte sich der Ratsvorsitzende überzeugt. „Ich bin sicher, das würde er“, stimmte Lubomir Husar zu. „Aber ich frage mich: Sind wir nicht manchmal zu langsam mit solchen Ideen?“ In großer Herzlichkeit ging diese Begegnung zu Ende – und mit dem Versprechen, das Gespräch bei der EÖV3 in Hermannstadt/Sibiu im September fortzusetzen.

Neben den Gesprächen mit Metropolit Volodomir, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und Bischof Shirokoradiuk, Kiewer Bischof der römisch-katholischen Kirche und Vorsitzender des Verbandes "Caritas-Spes" blieb noch Zeit für die Besichtigung des berühmten Kiewer Höhlenklosters, einem Rundgang durch die Stadt und verschiedenen Begegnungen mit Gemeindemitgliedern der Sankt Katharinengemeinde.

Am Schluss stand der Besuch der Gedenkstätte Babiy Yar, wo der Ratsvorsitzende zum Gedenken an die Opfer des Massenmordes an Juden, Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung einen Kranz niederlegte.