50 Jahre Römische Verträge

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

23. März 2007

Das ist ein Ausnahmezustand, den man gern hat! Staatsgäste aus den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union kommen nach Berlin. Denn es gibt einen Grund zu feiern. Die Europäische Union wird fünfzig Jahre alt. Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, ist als derzeitige Ratspräsidentin der Europäischen Union die Gastgeberin. Die Geburtstagsfeier wird deshalb genau in der Stadt ausgerichtet, die wie keine andere über lange Zeit unter der Teilung Deutschlands, ja Europas gelitten hat. Jetzt aber steht Berlin für den Frieden in Europa. Am Ort jahrzehntelanger Trennung sind Ost und West, Nord und Süd vereint. Das ist ein Grund zu danken – und zu feiern!

Oft erscheint uns Europa allerdings als ein Regelungsdickicht, in dem sich keiner mehr auskennt. Die deutsche Ratspräsidentschaft tritt diesem Missverständnis mit enormem Engagement entgegen. Es kommt darauf an, Europa gemeinsam zu gestalten. Dann verstehen wir auch wieder, worum es eigentlich geht: eine einzigartige Geschichte der Vergebung und der Versöhnung.

„Ist´s möglich, so habt mit allen Menschen Frieden“, heißt ein biblischer Ratschlag. Die Europäer der ersten Stunde nach 1945 waren engagierte Christen; man kann sich gut vorstellen, dass sie sich diesen Rat zu Herzen genommen haben. „Vergebung, nicht Vergeltung!“ lautete das Credo von Robert Schuman, dem französischen Außenminister in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der bedingungslosen Kapitulation bot Frankreich Deutschland eine gleichberechtigte Partnerschaft an.

Die jahrhundertealte Erzfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich wurde überwunden. Und das alte Muster des Diktats der Sieger wurde durchbrochen. Die Römischen Verträge vom 25. März 1957 dokumentieren diese Wende in der europäischen Geschichte. Das geschah in einer Zeit, in der unser Kontinent durch den Eisernen Vorhang getrennt war; wenige Jahre nach den Römischen Verträgen wurde unsere Stadt durch die Berliner Mauer zerschnitten. Aber es wurde der Grund gelegt, auf dem die heutige Europäische Union gebaut werden konnte.

Für mich bedeutet Europa, der Vergebung den Vorrang zu geben und dem Frieden zu dienen. Aus diesem christlichen Impuls wurde eine der längsten Friedensperioden in der Geschichte Europas gestaltet. Für mich ist das ein Grund, Gott zu danken. Und der Europäischen Union zu gratulieren: Bleibt auf dem Weg der Vergebung. Herzliche Segenswünsche zum Geburtstag!