Kirche beim TÜV auf der Werft

Neue Kombüse und Außenanstrich für Hamburgs Flussschifferkirche

26. März 2007

Von Klaus Merhof (epd)

Hamburg (epd). Deutschlands einzige schwimmende Kirche liegt derzeit auf einer Werft im Hamburger Hafen: Die Flussschifferkirche der Hansestadt braucht turnusmäßig neue Sicherheitspapiere und ein "Schwimmfähigkeitszeugnis" vom TÜV, wie der Sprecher des Fördervereins, Albrecht Kasper, erklärt. Zugleich erhält das Kirchenschiff auf der Grube-Werft einen blauen Außenanstrich, neue Öko-Toiletten und eine neue Heizung.

Die Kosten in Höhe von rund 45.000 Euro sollen zum letzten Mal aus der Baurücklage der Gemeinde finanziert werden - künftig ist die Flussschifferkirche auf Spenden angewiesen. Auch die Kombüse auf "Gottes Schleppkahn" müsste dringend saniert werden - doch dafür fehlt derzeit das Geld. Die Flussschiffer-Gemeinde kann die rund 10.000 Euro für neue Einbauschränke und Geräte nicht aufbringen. Darum sucht der Förderverein Sponsoren. "Das Schiff soll ja auch gastfreundlich sein", sagt Vereinssprecher Kasper: "Es kommen viele Menschen zu uns, die schon lange nicht mehr in einer Kirche waren."

Die ungewöhnliche Kirche hat eine Wasserverdrängung von rund 150 Tonnen und ist 26 Meter lang und sieben Meter breit. Bereits 1952 wurde der ehemalige Weserküstenleichter zur Kirche umgebaut und geweiht - mit Glockentürmchen, Kreuz und rund 150 Plätzen im maritimen Gottesdienstraum. 1961 erhielt das Kirchenschiff sogar eine eigene Orgel, 1966 wurde die Gemeinde selbstständig.

Auftrag war vornehmlich die Seelsorge an den Binnenschiffern im Hamburger Hafen. Doch mit deren Arbeit, bedingt durch immer kürzere Liegezeiten, veränderte sich auch die Seelsorge auf dem Wasser. Künftig soll sie gemeinsam mit dem Internationalen Seemannsclub "Duckdalben" organisiert werden.

Die Flussschifferkirche selbst wurde immer mehr zu einer besonderen "Location": Seit Jahren gehört sie zu den Attraktionen des alljährlichen Hamburger Hafengeburtstages. Trauungen, "Gottesdienste für Liebende an Bord", plattdeutsche Andachten und "maritime Predigten" wurden zum nachgefragten Programm. Zu den regelmäßigen Gottesdiensten am Sonntag um 15 Uhr kommen im Schnitt 35 Besucher.

Ab Mitte 2007 will der Förderverein das schwimmende Gotteshaus komplett übernehmen, aber ausdrücklich als "Kirche im Hafen" erhalten. Neuer Liegeplatz ist ein Anleger im Zollkanal, genau gegenüber der neu entstehenden Hamburger Hafencity. Die Schirmherrschaft hat Ex-Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen übernommen.