Das Grab ist leer

Maria von Magdala entdeckt, dass Jesus auferstanden ist

08. April 2007

Ein römischer Hauptmann

Es war ein schwerer Gang am ersten Tag der neuen Woche: Maria von Magdala ging gedankenverloren. Von den Soldaten am Stadttor unbehelligt ging sie mit den anderen Frauen durch das Stadttor und dann hinüber zum Garten des Joseph von Arimathäa, unterhalb des Hügels Golgatha. Vorgestern abends hatten sie dort Jesus von Nazareth schnell begraben, nachdem er auf Golgatha von den Mächtigen gekreuzigt wurde. Bevor der Sabbat begann, hatten sie ihn mit Hilfe einiger Männer aus dem Haus des Ratsherrn Joseph vom Kreuz abgenommen. Die Frauen haben ihn gesalbt, wie es seit altersher Brauch war, und ihn in Tücher gewickelt. Zum Schluss haben die Männer einen schweren Stein vor die Höhle gerollt, in die sie Jesus gebettet haben.

Wer hätte gedacht, dass alles so gewaltsam zu Ende geht. Auf ihrem Weg erinnerte sich Maria von Madgala an die erste Begegnung mit Jesus von Nazareth. Maria stammte aus der Magdal Nunaija am See Genezareth. Die Ansiedlung von Fischern und Menschen, die den frisch gefangenen Fisch pökelten, hatte sich in den letzten Jahren zu einer blühenden und geschäftigen Ortschaft mit umfangreichen Fischereiflotte entwickelt. Römer und Juden lebten geschäftig nebeneinander und trieben Handel mit vielen Orten im Land. Außer der Synagoge am Ort gab es auch eine weithin bekannte Kultstätte der Attis in Magdal Nunaija. Maria war an dem Ort aufgewachsen, und sie hat dort lang gelebt. Über das Leben, bevor sie Jesus getroffen hatte, wollte Maria Jahre später nicht mehr nachdenken.

Dieses Leben hat sich grundlegend geändert, als sie Jesus eines Tages auf dem Marktplatz in Kapernaum, einem größeren Ort in der Nachbarschaft, getroffen hat. Nun ist dieser Mann hingerichtet worden. Die Tage seither lebte sie wie unter Schock. Maria von Magdala war nach dem Treffen in Kapernaum Jesus gefolgt. Sie hat ihn geliebt und verehrt. Es war für sie kaum auszuhalten, als er am Kreuz gehangen hat, aber sie ist nicht wie die anderen geflüchtet. Maria ist mit wenigen Frauen unter dem Kreuz geblieben. Sie hat sich darum gekümmert, dass sein Leichnam beigesetzt wird.

Die Frauen haben am Abend der Kreuzigung getan, was zu tun ist. Sie machen auch Ostermorgen, was dran ist. So viele Frauen in der Menschheitsgeschichte haben nach schweren Schocks, die sie ertragen mussten, getan, was sie tun mussten: die Toten salben, die Wunden versorgen, einkaufen, kochen, die Kinder versorgen. Nun war Maria mit anderen Frauen hinaus zu seinem Grab gegangen. Jesus ist tot. Die Ungeheuerlichkeit kann sie immer noch nicht fassen.

Maria von Magdala steht am leeren Grab. Der Stein ist weg! Das Grab ist leer – und ein Engel sagt ihr: „Fürchte Dich nicht!“ Warum sollte sie sich jetzt fürchten, sie ist auch nicht davon gelaufen, als Jesus gekreuzigt wurde. Sie muss los, zurück in die Stadt, den anderen erzählen, die anderen zuerst wieder sammeln, all die, die aus Angst, aus Schreck und aus Verzweiflung davon gelaufen sind. Sie ist Maria von Magdala. Sie hat entdeckt, dass Jesus auferstanden ist. Sie hat das leere Grab und damit die Hoffnung gesehen!

(c) Bild: crunklygill