Von Polnisch bis Kisuaheli

Die Welt zu Gast in Köln

06. Juni 2007

Kirchentagsflaggen Köln 2007

Michael Schneider wischt sich den Schweiß von der Stirn. Bereits vor Beginn des Kirchentags ist er im Stress. Der 26-Jährige ist ehrenamtlicher Dolmetscher und „Sonder-Beauftragter Kenia“, wie er sagt. Bis um halb drei in der Nacht hat er 80 Kenianerinnen und Kenianer vom Flughafen abgeholt und zu ihren Gast-Familien gebracht.
Jetzt hat er gerade Marken fürs Mittagessen seiner Schützlinge besorgt. Doch ein Blick nach draußen lässt seine Anspannung sinken: Da haben die Afrikaner auf der Plaza einen Kreis gebildet, sie tanzen und singen. „Die brauchen ja anscheinend gar keine Betreuung.“

90 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuen die ausländischen Gäste des Kirchentags, insgesamt etwa 3000. Ihnen bietet das Internationale Zentrum des Kirchentages ein Café zur Erholung und einen Anlaufpunkt für Information. Wer den Markt der Möglichkeiten oder eine Bibelarbeit besuchen will, kann hier eine deutschsprachige Begleitung und Leute zum Übersetzen finden. Die flüstern ihren Gästen den Inhalt dann sinngemäß ins Ohr. Die Sprachen-Palette reicht von Finnisch über Portugiesisch und Arabisch bis Kisuaheli.

Für die großen Veranstaltungen mit namhaften Gästen gibt es einen professionellen Übersetzungs-Service. Die Arbeit der 27 Dolmetscherinnen und Dolmetscher koordiniert Elaine Griffiths, auch sie steht unter Strom: „Ich muss noch die Saaltechnik in zehn Sälen kontrollieren und einen Einsatzplan gibt es auch noch nicht.“

Insgesamt 70 Veranstaltungen werden gedolmetscht, hauptsächlich in englisch. Weitere Sprachen sind Arabisch, Französisch und Russisch. Je zwei Sprachgenies arbeiten im Team, um sich bei der anstrengenden Arbeit abzulösen. Und je nach Sprache haben sie bis zu drei Einsätze am Tag. „Da stehen wir fürchterlich unter Druck,“ sagt die professionelle Übersetzerin.


Griffiths und ihr Team werden beim Termin mit der Bundeskanzlerin, in der Themenhalle Europa und beim G8-Schwerpunkt dabei sein. Bei diesem Termin kommt eine ganz neue Methode zum Einsatz: Die Podiumsdiskussion wird auf Deutsch geführt, obwohl auch englische Referenten dabei sind. Ihre Antworten werden simultan übersetzt und von einer Stenografin mitgeschrieben. Das Protokoll in Kurzschrift wird dann per Software in komplette Sätze übertragen. Als Text-Laufband werden die Übersetzungen schließlich in den großen Saal-Bildschirm und in die Fernseh-Übertragung eingeblendet - nahezu in Echtzeit.