Eine Brücke nach Heiligendamm

Der „Ruf“ des Kirchentags an den G8-Wirtschaftsgipfel

08. Juni 2007

Kirchentagsteilnehmer mit orangefarbigen Tüchern

Der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag hat mit einem „Ruf an den G8-Gipfel“ eine Brücke von Köln nach Heiligendamm zum Treffen der führenden Wirtschaftsnationen geschlagen. „Die Themen der Globalisierung beschäftigen uns hier wie dort“, sagte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner auf dem Roncalli-Platz.

Globalisierung sei kein unabänderliches Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Die Frage nach der Würde des Menschen helfe dabei zu unterscheiden, „wo wir auf dem Irrweg sind und welcher Weg Zukunft eröffnet“. Die Botschaft des Kirchentags sei klar, stellte Höppner fest. „Wir sagen: ‚Setzt nicht auf Wachstum, das die Würde der Menschen verletzt, achtet die Würde der Schwachen und zerstört nicht länger Gottes Schöpfung.’“ Zu Beginn des Kirchentages hatten Vertreter von sieben Weltreligionen vom G8-Gipfel entschiedene Schritte im Kampf gegen die weltweite Armut und die Klimakatastrophe gefordert. „Angetrieben von den Afrikanern, haben wir mit einer Stimme gesprochen“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber nun auf dem Roncalli-Platz unter dem Beifall von 8.000 Menschen, wie die Polizei schätzte.

„Ich bin ein Afrikaner, ich bin euer Bruder“, rief sodann der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu den Menschen zu. Als Afrikaner sei er auch „kein Gegenstand eures Mitleids und eurer Barmherzigkeit. Ich bin ein Kind Gottes, nicht sein Stiefkind.“ Unter dem Jubel der Menge schloss der Friedensnobelpreisträger. „Wir sind geschaffen, um gemeinsam frei zu sein.“ Appelle an die Repräsentanten der acht großen Wirtschaftsnationen richteten unter anderem Agnes Abuom aus Nairobi/Kenia vom Exekutivausschuss des Weltkirchenrats und Susan George aus Paris vom französischen Zweig in der globalisierungskritischen Organisation Attac. Auch Sprecher des „Global Network Congress“ der ausländischen Referenten des Kirchentags meldeten sich zu Wort.

Mit der Aktion „Gib8!“ setzte das „Netzwerk Neue Töne“ aus dem rheinischen Korschenbroich ein musikalisches „Signal zum Gipfel“. Lautmalerisch sandten die Musiker und das Publikum im Schatten des Doms ihr Signal an die Ostsee. Sie bliesen den Staatschefs den Marsch, pfiffen auf die Globalisierung, machten den Politikern laut zischend Dampf und gaben mit einem lauten „Aaah“ ihrer Hoffnung Ausdruck. Lauter Jubel kam auf bei einer Liveschaltung zum Rock-Konzert von Herbert Grönemeyer in Rostock.