Mitmachkirche im Internet

Treffen christlicher Webmaster in Ungarn

18. Juni 2007

Kimmo Huima, Teilnehmer an der ECIC-Tagung aus Finnland

Eine handelsübliche Videokamera, ein Mikrofon, ein Stativ und ein Bürocomputer mit Schnittsoftware aus dem Internet – auf einfachste Weise macht die lutherische Kirche in Island Mitmachfernsehen im Internet. Nicht Texte, sondern Menschen zum Anfassen zeigen, wofür die Kirche steht. „Durch Videos erhalten wir eine Glaubwürdigkeit, die Texte alleine nicht rüberbringen können,“ sagt Arni Svanur Danielsson, Internetbeauftragter der isländisch-lutherischen Kirche. Er hofft, demnächst ehrenamtliche Mitarbeiter technisch so auszurüsten, dass sie unmittelbar über das Gemeindeleben vor Ort berichten können. „Die technische Ausrüstung kostet höchstens 300 Euro, was wir brauchen ist Zeit, Inhalte aufzuzeichnen und zu schneiden,“ sagt Danielson.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Internet ist zu einem multimedialem Mitmachmedium geworden, das auch die Kirchen für sich nutzen können. Web 2.0 nennen Fachleute diese Entwicklung des Internet.

Um mit der ständigen Entwicklung von Computer-Programmen mitzukommen, hat es sich eingebürgert, jedem Programm eine Versionsnummer mitzugeben. Wenn eine Ziffer hochgezählt wird, bedeutet dies einen Sprung nach vorne in der Entwicklung. Mit Web 2.0 bezeichnen Internet-Experten daher die Entwicklung des Internet zu einem sozialen Netzwerk, in dem sich Internetnutzer multimedial austauschen: Wer über eine Video-Kamera verfügt, kann selbst Internetfernsehen machen. Wer über Spezialwissen zu einem bestimmten Thema verfügt, verbessert den Eintrag zu diesem Thema in einer Online-Enzyklopädie. Online-Tagebücher kommentieren das Tagesgeschehen, über Tauschringe teilen sich Freunde die neuesten Internet-Tipps mit und tauschen Fotos aus.

Der Internet-Nutzer ist ein „Prosumer“ geworden, er konsumiert nicht nur Inhalte, sondern produziert sie selbst auch. Diese neue Generation des Internet verändert auch die Kirche. Welche Chancen die neuen Technologien bieten und welche Risiken sie in sich bergen, darüber beraten noch bis Mittwoch 34 kirchliche Internet-Experten aus zwölf europäischen Ländern in Ungarn, die sich auf Einladung der lutherischen Kirche Ungarns in Révfülöp zur 12. Europäischen Internetkonferenz (ECIC) getroffen haben.

In den ersten Jahren der kirchlichen Internetnutzung stand die Informationsvermittlung über kirchliche Themen und christliche Glaubensinhalte im Vordergrund. Die Webmaster der Kirchen erstellten Inhalte und stellten diese in die Internetseiten der Kirchen an. Die neuen Internettechnologien erlauben es nun, dass jeder Inhalte produzieren kann. Inwieweit wollen die Kirchen ihre Internetseiten öffnen, dass auch Gemeindeglieder aktiv Inhalte einstellen können? Ist dies eine Umsetzung des Priestertums aller Gläubigen? Inwieweit ist eine zentrale Kontrolle dabei notwendig? Dies sind einige der Fragen, denen sich die kirchlichen Internetexperten auf ihrer Tagung widmen.

Sollen die europäischen Kirchen dabei auf eine eigene technische Infrastruktur in kirchlicher Hand setzen, oder die kostenlosen Angebote der großen Portale nutzen? Wem gehören die Inhalte, die von Nutzern erstellt werden? Allein auf kommerzielle Anbieter zu setzen, scheint den Internetbeauftragen jedoch zu riskant, denn diese können schnell religiöse Inhalte verbieten, wie ein Beispiel aus Finnland zeigt. Nur weil er als kirchlicher Jugendmitarbeiter Gespräche auch über religiöse Themen anbot, ist sein Online-Spielcharakter gesperrt worden. „Jetzt ist meine Online-Spielfigur ein virtueller Märtyrer geworden,“ sagt der Jugendmitarbeiter aus Finnland mit einem Augenzwingen, der dafür plädiert, dass die Kirchen eine Doppelstrategie fahren: Ihre Inhalte auf den kommerziellen Mitmachplattformen einstellen, gleichzeitig aber auch eigene Server vorzuhalten.

Die ECIC-Tagung findet noch bis zum 20. Juni 2007 in in Revfülöp, Ungarn, statt.

European Christian Internet Conference (ECIC)