Nahost: Solidarisch in kritischen Zeiten

Bischofsdelegation besucht Christen im Libanon

26. Juni 2007

Junge Frauen im christlichen Viertel von Beirut

Am Ende eines langen Tages erhoben die Bischöfe die Stimme zum Gesang. "Der Mond ist aufgegangen", hatte die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen vorgeschlagen, und in der kleinen Kirche der evangelischen Gemeinde Beiruts stimmten alle in den Choral ein. Neben Jepsen waren das die Leiter der gemeinsamen Nahost-Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Landesbischof Johannes Friedrich und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, sowie Vertreter des katholischen Missionswerkes Missio und des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande.

Den ganzen Montag über war die Delegation in Beirut und Umgebung unterwegs, um mit religiösen Repräsentanten des 4,5 Millionen Einwohner zählenden Landes zusammenzukommen. Angesichts der angespannten Lage blieb die Politik nicht außen vor bei den Gesprächen. "Das Gefühl, dass es keine handlungsfähige Regierung und kein handlungsfähiges Parlament gibt, lässt einen bei diesem Besuch einfach nicht los", sagte Landesbischof Friedrich.

Umso erfreuter seien die Gesprächspartner gewesen, dass die protestantisch-katholische Delegation trotz der Krise in den Libanon gekommen sei. "Es ist uns mehr als einmal gedankt worden, dass wir gekommen sind und die Reise nicht abgesagt haben", berichtete Friedrich, der Vorsitzender der Evangelischen Mittelost-Kommission ist.

Ziel des Besuchs, der nach zwei Tagen in Beirut am Dienstag in Kairo fortgesetzt werden sollte, sei die Stärkung der Verbindungen zu den christlichen Kirchen in Nahost, so Friedrich: Ein Zeichen der Solidarität habe man setzen wollen. Im Libanon, wo zwölf der 18 Religionsgemeinschaften christlich sind, sei das besonders vonnöten. "Immer wieder haben uns Gesprächspartner von ihren Ängsten vor einer Majorisierung durch die Muslime berichtet", sagt Friedrich.

Allein am Montag traf die Delegation mit fast einem halben Dutzend christlichen Vertretern zusammen: Angefangen mit einem Gespräch beim Patriarchen der katholisch-maronitischen Kirche, Nasrallah Boutros Sfeir, fanden darüber hinaus Begegnungen statt mit Erzbischof George Saliba von der syrisch-orthodoxen Kirche, dem Catholicos der armenisch-orthodoxen Kirche und Vertretern der griechisch-orthodoxen Gemeinde.

Nicht zuletzt die Dominanz der Orthodoxen, die im Libanon nach den Maroniten die größte Zahl der Christen stellen, hat bei Bischöfin Jepsen den Wunsch geweckt, bei der nächsten Delegationsreise auch Vertreter der deutschen orthodoxen Kirchen mitzunehmen. "Dass Katholiken und Protestanten gemeinsam verreisen, ist für mich schon selbstverständlich", sagt sie dem epd. "Um den Dialog zu erweitern, wäre es schön, wenn wir Orthodoxe integrieren könnten." Neben dem auch von Friedrich genannten Ziel, "unsere Solidarität mit den Kirchen hier in der Region kundzutun" geht es ihr in erster Linie darum, die komplexe Situation zu verstehen - "und hinterher zu sehen, was wir aus diesem Wissen machen können".

Der Faszination des Libanon ist auch Jepsen erlegen: "Ich bin erstaunt, wie ökumenisch viele unserer Gesprächspartner eingestellt sind". Auch ihr selbst gegenüber habe sie in den von Männern dominierten religiösen Kreisen Offenheit erfahren - "selbst wenn die Frage nach der Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft unbeantwortet blieb". Dabei sind aus ihrer Sicht Frauen die wichtigsten Figuren in ökumenischen Kontakten, da sie "Begegnung und Lebenswelt, nicht Dogmatik" in den Vordergrund rückten.

Ein Schwerpunkt, den auch die beiden Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde Beirut, Friederike und Uwe Weltzien, setzen: "Ökumene und muslimisch-christlicher Dialog können nicht abgehoben von der Gemeindearbeit und einem Dialog des Lebens stattfinden", gab Uwe Weltzien den Bischöfen als Botschaft mit auf den Weg.

Autor: Markus Bickel (epd)

EKD-Pressemitteilung "Delegation informiert sich in Beirut und Kairo über die Situation der Christen im Nahen Osten"

EKD-Pressemitteilung „Christen im Libanon brauchen unsere Solidarität“