Vor 175 Jahren wurde das Gustav-Adolf-Werk gegründet

Mit der Hilfe für Protestanten in Bayern fing alles an

29. Juni 2007

Im Dezember 1832 rief Superintendent Christian Gottlob Leberecht Großmann in Leipzig zu "brüderlicher Unterstützung bedrängter Glaubensgenossen" auf. Anlass für den Appell war das 200. Todesjahr des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf (1594-1632). Der evangelische Herrscher hatte im Dreißigjährigen Krieg auf Seiten der Protestanten in Deutschland gekämpft und war in Lützen bei Leipzig getötet worden.

200 Jahre später wurde dort für ein Denkmal gesammelt, doch Großmann wollte mehr: Im Land der Reformation sollte auch Geld für evangelische Minderheitsgemeinden gespendet werden, die sich damals in katholischen Ländern wie Bayern oder Böhmen behaupten mussten. 175 Jahre sind seither vergangen und das damals entstandene Hilfswerk, das den Namen Gustav Adolfs trägt, zählt längst zu den besonders traditionsreichen Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Ging 1833 die erste Hilfszusage noch an die lutherische Siedlungsgemeinde Karlshuld im Donaumoos bei Ingolstadt, wurden später auch evangelische Gemeinden im Ausland unterstützt. Jedes Jahr stellt die Zentrale in Leipzig einen großen Projektkatalog auf. Darin sind dutzende Initiativen von Aserbaidschan über Griechenland bis Venezuela mit dem jeweiligen Finanzbedarf aufgeführt.

"Meist sind es Summen zwischen 5.000 und 15.000 Euro, die wir über Spenden als Unterstützung dazugeben können", erläutert der Präsident des Hilfswerkes, Wilhelm Hüffmeier. "Zum 175. Geburtstag des Gustav-Adolf-Werkes wollen wir in diesem Jahr 1,75 Millionen Euro sammeln." Auf der Projektliste stehen unter anderem ein Bus für kirchliche Schulen in der Slowakei, Hilfe für Behinderte in Ungarn oder Unterstützung für Straßensozialarbeit in Südamerika.

Traditionell gute Verbindungen hat das Werk nach Brasilien, wohin viele Deutsche auswanderten. "Wir sind aber längst keine Einwandererkirche mehr", verdeutlicht Gottfried Brakemeier, früher Präsident des Lutherischen Weltbundes. Er ist Brasilianer und das Gustav-Adolf-Werk für ihn keine Einrichtung des deutschen Wesens, an dem die Welt genesen soll: "Es geht um partnerschaftliche Hilfe."

In 25 Regional- und 17 Frauengruppen ist das Werk in Deutschland organisiert, hunderte Mitglieder und ehrenamtliche Helfer engagieren sich bei Spendensammlungen oder in der Kontaktpflege zu Partnern im Ausland. "Es gibt zunehmend Interesse der jüngeren Generation am Mitmachen", sagt Generalsekretär Hans Schmidt. Auch die Teilnahme an einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Ausland sei zunehmend gefragt.

Nicht immer müssen die Mitarbeiter des Gustav-Adolf-Werkes weit reisen, um sich ihre Projekte anzusehen. Denn im Gegensatz zu 1832 sind die Christen im Kernland der Reformation heute selbst in eine Minderheitensituation geraten. Und so fördert das Hilfswerk auch wieder Projekte im eigenen Land.

In Leipzig etwa, wo nach der Zeit der deutsch-deutschen Teilung auch wieder dessen bundesweite Zentrale residiert, wurde der Aufbau des Evangelischen Schulzentrums unterstützt. Priorität habe aber dennoch weiterhin die Arbeit im Ausland, betont Hans Schmidt und verweist auf das biblische Leitwort des Werkes: "Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen."

Jetzt begeht das Gustav-Adolf-Werk der EKD am Wochenende mit Festtagen in Leipzig seinen 175. Geburtstag. Zu den Höhepunkten zählt eine Motette zu Ehren des Gründers Christian Gottlob Leberecht Großmann (1783-1857) in der Thomaskirche.

Gustav-Adolf-Werk der EKD