Aus Deutschland hinaus zu den "Heiden"

Vor 325 Jahren wurde der evangelische Missionar Bartholomäus Ziegenbalg geboren

02. Juli 2007

Ehemaliges Wohnhaus von Bartholomäus Ziegenbalg in der kleinen Gemeinde Tarangambadi

Bartholomäus Ziegenbalg war der erste evangelische Missionar, der aus Deutschland hinaus zu den "Heiden" ging. Auf ihn führen die heutige Evangelisch-Lutherische Tamilkirche und weite Teile der Südindischen Kirche ihre Anfänge zurück. Dort soll man heute noch Jungen finden, die zur Erinnerung an den Mann mit dem seltsamen Namen "Ziegenbalg" gerufen werden. Vor 325 Jahren, am 10. Juli 1682, wurde er im sächsischen Pulsnitz unweit von Leipzig geboren.

Der früh elternlos gewordene Sohn eines Getreidehändlers wurde als Jugendlicher durch den eben aufblühenden Pietismus geprägt. Als Gymnasiast in Berlin lernte er Philipp Jakob Spener kennen, ab 1703 studierte er bei August Hermann Francke in Halle Theologie. Schon mit 23 Jahren wurde er 1705 von der Dänisch-Halleschen Mission als erster evangelischer Missionar nach Tranquebar an der Südostküste Indiens ausgesandt, das von 1629 bis zum Verkauf an England im Jahre 1845 dänische Kolonie war.

Nach einer beschwerlichen, sieben Monate währenden Reise mit dem Segelschiff erreichte Ziegenbalg Tranquebar. Doch dort wurde er keineswegs begeistert empfangen. Man sah durch ihn dänische Handelsinteressen bedroht, der Missionar hatte deshalb heftige und schikanöse Anfeindungen zu erdulden. Unter unmenschlichen Bedingungen wurde er sogar monatelang eingesperrt, seine Arbeit behindert, wo es nur ging.

Für die Arbeit eines Missionars gab es damals keine Handlungsmodelle. Ziegenbalg entwickelte sich aber zum "Prototyp des evangelischen Missionars", der auch als Sprachforscher und Bildungsreformer eine geradezu modern anmutende, vielfältige Tätigkeit entfaltete. Bienenfleißig erlernte er binnen Kurzem die uralte Kultur- und Literatursprache Tamil. Dann übersetzte er Bibelteile, Martin Luthers Kleinen Katechismus und Gesangbuchlieder, um so eine "Volkskirche im Heidenlande" zu schaffen.

In der Hoch-Zeit des Kolonialismus korrespondierte der Pioniermissionar mit tamilischen Gelehrten, er verfasste Abhandlungen über ihre Kultur und übersetzte Tamil-Texte ins Deutsche. Zu seinen ersten Schritten gehörte es, die Kinder von Tamilensklaven und Waisenkinder zu sammeln und zu unterrichten. Schon 1707 gründete er die wohl in ganz Südindien erste Schule für Mädchen und 1716 ein Seminar zur Ausbildung einheimischer Lehrer und Pfarrer.

Seine für die damalige Zeit unerhörten Methoden hatten Erfolg: Schon ein Jahr nach seiner Ankunft in Tranquebar konnte Ziegenbalg die ersten Tamilen und Mischlinge taufen und eine kleine lutherische Gemeinde gründen. Sie wuchs bis 1712 auf etwa 200 Mitglieder an. 1707 wurde der Grundstein für eine Neu-Jerusalem-Kirche gelegt. Die Berichte darüber entfachten in weiten Teilen Europas geradezu Begeisterung für die Mission. Als Ziegenbalg 1714 erstmals auf Heimaturlaub war, hielt er Vorträge, sogar am englischen Königshof wurde er empfangen.

Ziegenbalg konnte noch erleben, dass sich die Missionsarbeit weit über Tranquebar hinaus ausdehnte. Aber die Strapazen seiner Arbeit und das Klima schwächten den ohnehin kränklichen jungen Mann so, dass er mit nur 31 Jahren am 23. Februar 1719 in Tranquebar starb. Dort wurde er in der von ihm erbauten Neu-Jerusalem-Kirche bestattet. Neben dem Grab erinnert eine Büste an ihn. Auch ein Denkmal wurde errichtet, auf dem der Tag seiner Ankunft in Indien festgehalten ist: der 9. Juli 1706.

Autor: Hans-Dieter Frauer (epd)