"Jeden Tag eine gute Tat"

Die Pfadfinder-Bewegung wird 100 Jahre alt

23. Juli 2007

Pfadfinderlager

Leonard ist ein "Pfadi" mit Leib und Seele. "Pfadfinder sein macht einfach Spaß", findet der Elfjährige aus dem badischen Bruchsal. "Vor allem die Spiele und die Lieder am Lagerfeuer." Seit einigen Jahren ist der Junge stolzes Mitglied der größten weltweiten Jugendbewegung, die der ehemalige englische General Sir Robert Baden-Powell (1857-1941) vor 100 Jahren gründete. Als Geburtsstunde der Pfadfinder gilt der 1. August 1907, als das erste Pfadfinder-Camp auf der britischen Kanalinsel Brownsea Island mit einem Lagerfeuer eröffnet wurde.

Bis heute halten Pfadfinder in aller Welt das Andenken an "B.P.", wie sie ihren Gründervater liebevoll nennen, in Ehren. Baden-Powell hatte die erfolgreiche Idee, Aktivitäten in der freien Natur, internationale Begegnungen sowie gemeinnütziges und friedensethisches Engagement im "Scouting" zu vereinen. Mehr als 28 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 216 Ländern gehören heute konfessionellen und nicht-konfessionellen Pfadfinderverbänden an. 1909 entstanden in Deutschland die ersten Pfadfindergruppen, unter den Nazis wurden sie verboten.

Das Vermächtnis Baden-Powells, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als man sie vorgefunden hat, habe für viele junge Menschen nichts von ihrem Reiz verloren, berichtet Kira Nierobisch vom evangelischen Verband Christlicher Pfadfinder und Pfadfinderinnen (VCP). "Gemeinsam etwas tun" hätten viele als Grund genannt, sich bei den Pfadfindern zu engagieren.

Zwar seien Internetcafés auf großen Zeltlagern oder die eigene Internet-Seite für viele Pfadfindergruppen heute selbstverständlich. Wichtig bleibe aber die pfadfinderische Methode, sagt Nierobisch, die Bildungsreferentin beim VCP-Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar ist. "Ruder dein Kanu selbst" habe Baden-Powell seinen jugendlichen Anhängern zugerufen. Sie sollten Eigenverantwortung übernehmen und sich in die Gesellschaft einbringen.

"Jeden Tag eine gute Tat", lautet das mitunter belächelte Motto der Pfadfinder. "Viele Leute denken noch immer, wir sind etwas seltsame und naive Umweltfreaks, die mit dem Rucksack durch den Wald laufen", sagt Diane Tempel-Bornett. Noch immer habe die Gemeinschaft der Jugendlichen mit Hemd und Halstuch ein Imageproblem, weiß die Sprecherin der Bundeszentrale des VCP in Kassel. Weniger allerdings als noch vor einigen Jahrzehnten würden die Pfadfinder mit Militarismus und Neonazis in Verbindung gebracht.

Immer mehr junge Menschen begäben sich auf die Suche nach dem eigenen Lebenspfad. "Wir haben leicht steigende Mitgliederzahlen, problematisch ist es nur, Jugendliche als Gruppenleiter zu gewinnen", sagt Tempel-Bornett. Bundesweit gibt es 217 Pfadfinderverbände. Den größten Zulauf haben die konfessionellen Verbände VCP mit 47.000 Mitgliedern und die katholische Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) mit 95.000 Mitgliedern sowie der nichtkonfessionelle Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) mit 58.000 Mitgliedern.

Als einzige deutsche Verbände sind sie vom Weltpfadfinderverband anerkannt. Höhepunkt des Jahres ist für sie die Erneuerung des Pfadfinderversprechens beim ersten Sonnenstrahl am 1. August, dem "Scouting's Sunrise". Millionen junger Menschen rund um den Globus feiern diesen Tag.

Pfadfinden und ein christliches Leben hätten für Baden-Powell untrennbar zusammengehört, erzählt Tempel-Bornett. Deshalb zeige die evangelische Pfadfinderschaft ihr christlich-protestantisches Profil. Spiritualität und das Prinzip der geistigen Freiheit gehörten ebenso dazu wie tätige Nächstenliebe, das Eintreten für die Bewahrung der Schöpfung und die enge Anbindung an die Kirchengemeinden.

Zwar können Pfadfinder nicht die Welt als ganzes verändern, wohl aber in ihrem Umfeld die Lebensumstände verbessern helfen. Dabei komme es manchmal wirklich darauf an, "der Oma über die Straße zu helfen", zitiert Tempel-Bornett das berühmte Pfadfinder-Klischee. Für Kinder und Jugendliche sei es wichtig zu erkennen, dass man mit ehrenamtlichem Einsatz etwas erreichen und "positive Spuren in der Welt hinterlassen" könne.

Höhepunkt der Feierlichkeiten unter dem Motto: "2007: One World One Promise" (Eine Welt, ein Versprechen) ist vom 27. Juli bis 8. August ein Zeltlager von rund 40.000 Pfadfindern aus aller Welt bei Essex in England. An dem 21. "World Jamboree" nehmen rund 2.000 Pfadfinder aus Deutschland teil. Mit dem "Scouting's Sunrise" erneuern am 1. August Pfadfinder rund um den Globus bei Sonnenaufgang ihr Pfadfinderversprechen, gemeinschaftlich ihrem Nächsten zu helfen.

Die Ringe der deutschen Pfadfinderverbände veranstalten vom 21. bis 23. September unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler in Berlin Aktionstage unter dem Motto "Scouting 100". Bei einem Kongress am 22. September diskutieren dort Pfadfinder mit Verantwortlichen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche über den Beitrag des Pfadfindens für die Gesellschaft.

Abschluss des Jubiläumsjahres bildet am dritten Advent (16. Dezember) die Aktion Friedenslicht. Dabei bringen Pfadfinder das Friedenslicht aus der Geburtsgrotte von Jesus Christus in Betlehem in rund 30 Städte in ganz Deutschland.

Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder

Pfadfinder-Kongress in Berlin

21. "World Jamboree" in Chelmsford (England)