Die Welt ist rund

Vor 500 Jahren starb der Globusmacher Martin Behaim

27. Juli 2007

Er ist reich geboren, arm gestorben und hat seinen Zeitgenossen nichts hinterlassen als ein buntes Gebilde aus Leder und Papier. Aufregend war die Hinterlassenschaft dennoch. Denn das Gebilde war das Abbild der Welt und die Welt war rund. Vor 500 Jahren, am 29. Juli 1507, starb der Kaufmann und Kartograf Martin Behaim, der Schöpfer der ältesten erhaltenen Darstellung der Erde in Kugelgestalt. Sein zwischen 1490 und 1493 entstandener "Erdapfel" zählt zu den größten Schätzen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

Dass die Welt keine Scheibe ist, war zwar bekannt, selbst die Päpste wussten das schon lange. Aber sie für alle Augen sichtbar als Kugel darzustellen war buchstäblich ein Akt der Globalisierung. Den Betrachtern bot sich eine Welt ohne Ende, offen für alle, die ihre Chance ergriffen und den Fabelwesen trotzten, die in den Meeren hausten.

Behaim machte keinen Hehl daraus, warum es sich lohnte, aus den Mauern der mittelalterlichen Städte aufzubrechen. Mit Perlen, Rubinen, Smaragden und den herrlichsten Gewürzen lockten die Inschriften auf seinem Globus. Behaim war Kaufmann, er dachte an Geschäfte. Besonders das Risikogeschäft Entdeckungsfahrt brauchte Finanziers. Sein "Erdapfel" sollte die reichen Nürnberger Patrizier dafür gewinnen.

1459 wird Behaim als Spross einer hoch angesehenen Nürnberger Kaufmannsfamilie geboren, doch sein Lebensmittelpunkt wird Lissabon. Er bekommt einen Posten in der obersten nautischen Behörde Portugals, lernt den damals noch unbekannten Christoph Kolumbus kennen und unternimmt eine Seereise entlang der westafrikanischen Küste. Nach seiner Rückkehr schlägt ihn 1485 der portugiesische König Johann II. zum Ritter.

Vier Jahre lebt Behaim auf der Azoreninsel Fayal, wo er die Tochter des Gouverneurs heiratet. Er gehört nun dem hoffähigen Adel an. Von 1490 bis 1493 kehrt er in seine Heimatstadt Nürnberg zurück, um mit seinen Geschwistern einen Streit um das Erbe der Mutter auszufechten. In dieser Zeit entsteht sein Globus, mit einem Durchmesser von knapp einem halben Meter.

Der Rat der Stadt übernimmt die Kosten und Behaim leitet die Handwerker an. Die Idee einer Fahrt nach Westen, weit über die Kanaren und Azoren hinaus, liegt damals in der Luft. Doch wer sich dabei nach Behaims Globus gerichtet hätte, hätte wohl nicht mehr heimgefunden. Selbst nach damaligem Kenntnisstand war vieles falsch.

Die deutsche Nationalromantik des 19. Jahrhunderts verklärte Behaim zur Heldengestalt. Schüler des berühmten Mathematikers und Astronomen Regiomontanus soll er gewesen sein, mit der Einführung des Astrolabiums die kühnen Vorstöße der Portugiesen auf die offene See überhaupt erst ermöglicht haben. Selbst bei der Entdeckung der Kongomündung war er angeblich an Bord. Beweisen lässt sich davon nichts.

Verlässlich sind hingegen die Nürnberger Schuldbücher und Strafakten: Bei einem Heimataufenthalt 1483 erhält Behaim Arrest, weil er in der Fastenzeit auf einer jüdischen Hochzeit getanzt hat. 1490 wird er auf die Bezahlung von Dienstboten verklagt und mehrmals muss die Familie seine Schulden begleichen. 1507 stirbt Behaim völlig verarmt im Hospital von Lissabon, die Ehe zerrüttet, am Hof in Ungnade gefallen. Erst 1823 wird sein "Erdapfel" auf dem Speicher der Familie wiederentdeckt.

1890 errichtet die Stadt Nürnberg ihrem berühmten Sohn ein Denkmal mit Allegorien der Wissenschaft und des Handels. Die rechte Hand mit der Zeichenfeder liegt auf dem Globus, die linke am Schwert. 1937 lässt Hitler den Behaim-Globus ankaufen und dem Germanischen Nationalmuseum übergeben. Seither hat das letzte Bild der Erde vor der Entdeckung Amerikas dort einen prominenten Platz.

Martin Behaim

Weitere Informationen über Martin Behaim auf Wikipedia

Beitrag in der ZEIT vom 26. Juli: Martin Bahaim "Ritter, Held und Kaufmann"