„Offen für Andere(s)“

Handbuch zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Aussiedlerfamilien erschienen

15. August 2007

Viele Vorurteile gegen Aussiedler existieren in der einheimischen Bevölkerung: Was hat es mit den Kindern und Jugendlichen aus Aussiedlerfamilien auf sich? Warum sind sie so anders? Und überhaupt: „Das sind doch keine Deutschen!“, ist immer wieder zu hören. Mal wird gesagt, sie seien Wirtschaftsflüchtlinge, mal haben viele die Befürchtung, dass Aussiedler oder Aussiedlerinnen bevorzugt werden oder Arbeitsplätze wegnehmen. Doch das schärfste Vorurteil ist wohl, dass viele einheimische Bürger das Gefühl haben, Aussiedler würden sich nicht integrieren.

Die EKD engagiert sich an vielen Stellen für die Integration von Aussiedlern. Der Rat der EKD hat für diesen Arbeitsbereich eigens einen Beauftragten. Eine Stelle, die in diesen Tagen neu besetzt wird: Zum 1. September wird der Dessauer Kirchenpräsident Helge Klassohn (63) neuer Aussiedlerbeauftragter der EKD und übernimmt die Aufgabe des Ratsbeauftragten für Fragen der Spätaussiedler und Heimatvertriebenen. Er folgt damit Bischof i. R. Klaus Wollenweber, der dieses Amt über Jahre hinweg engagiert wahrgenommen hat.

Die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aej) hat zusammen mit dem Amt für evangelische Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern , das Handbuch „Offen für Andere(s)“, herausgebracht, in dem die Integrationsschwierigkeiten zwischen jungen Aussiedlern und der angestammten Bevölkerung betrachtet werden. Denn nicht nur die einheimischen Bürger haben Fragen und Vorurteile, sondern auch viele Russlanddeutsche fühlen sich in Deutschland nicht wohl und vergleichen das Leben ihres Geburtslandes mit ihrem Leben in Deutschland. Viele der Jugendlichen aus Aussiedlerfamilien vermissen die individuelle Freiheit, die sie in ihrer Heimat kannten: „Hier ist alles verboten, man darf hier gar nix machen. Musik laut aufdrehen, da kommen die Nachbarn direkt und beschweren sich. In Kasachstan darf man alles machen, also fast alles ist erlaubt“, sagt ein Jugendlicher aus Kasachstan. Viele vermissen zudem ihre Verwandten und Freunde, die sie in ihrer Heimat zurücklassen mussten. Aufgrund der Sprachdefizite fällt es schwer, sich mit Einheimischen anzufreunden und so bildet man meist eine Gruppe von Gleichgesinnten und lässt auch niemanden mehr an sich heran und verschließt sich vor dem „Fremden“.

Kinder und Jugendliche aus Aussiedlerfamilien haben wie alle Gleichaltrigen Wünsche, Hoffnungen und Ängste. Sie sind auf der Suche nach Freunden, einer Clique mit der sie etwa ihre Musik – auch in der gewünschten Lautstärke – hören können. Über 60 Prozent der Jugendlichen gehören der evangelischen Kirche an und können sich selbstverständlich zur Evangelischen Jugend zählen. Doch trotzdem sind sie anders. Sie haben einen Migrationshintergrund. und andere kulturelle Wurzeln. Die evangelische Jugendarbeit möchte Kinder und Jugendliche aus Aussiedlerfamilien unterstützen, ihnen helfen und sie beschäftigen.

Für diese besondere Herausforderung werden in dem 80 Seiten umfassenden Handbuch Hinweise und Hilfestellungen gegeben. Das Handbuch soll das Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Aussiedlerfamilien in der evangelischen Jugendarbeit wecken und den Weg für die eigene Auseinandersetzung mit Themen wie Integration, interkultureller Dialog oder kulturelle Begegnung bahnen.

Zu Anfang des Handbuches werden Begriffe wie „Aussiedler“, „Spätaussiedler“ und „Russlanddeutsche“ erläutert sowie Daten und Fakten zusammengestellt. In einem zweiten Teil reflektieren verschiedenen Autorinnen und Autoren aus Forschung, Wissenschaft und Praxis relevante Themen für die Arbeit mit Aussiedlerjugendlichen. Im dritten Teil informieren Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Einrichtungen, Gemeinden, Dekanaten und Verbänden über ihre Erfahrungen.

Hinweis:

Das Handbuch kann über die aej-Geschäftstelle, Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover, über Telefon 0511/1215-141 oder über E-Mail: Martina.Seehaus@evangelische-Jugend.de, bestellt werden.

Handbuch „Offen für Andere(s)“ als pdf-Datei