Hermannstadt erstrahlt in neuem Glanz

Vorbereitung auf die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Rumänien

24. August 2007

Blick auf Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien

Die Stadt hat sich herausgeputzt: Rathaus, Kirchen und Museen im Stadtzentrum haben ihre Fassaden in neue Farbe getaucht und die Einkaufsmeile lädt frisch gepflastert zum Flanieren ein. An die schwere Zeit unter den Kommunisten und Ceausescus Regime erinnern nur noch die Plattenbauten am Stadtrand und manche vom Verfall bedrohte Altstadthäuser. Ansonsten erstrahlt der Ort im alten Glanz.

Hermannstadt, rumänisch Sibiu, hat allen Grund, sich von seiner besten Seite zu zeigen: Der Ort im Herzen Siebenbürgens ist die Kulturhauptstadt Europas 2007 und zudem vom 4. bis 9. September Treffpunkt der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung. Mehr als 2.000 Christen werden in der Stadt in Siebenbürgen zusammenkommen. "In Europa haben viele Menschen die Orientierung verloren, das Bewusstsein für gemeinsame Werte und Grundlagen", beklagt die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann. In Sibiu sollen daher Themen wie die europäische Einheit, das Verhältnis der Kirchen zueinander, christliche Spiritualität und die Folgen des Klimawandels beraten werden.

"Die Menschen in Europa erwarten von ihren Kirchen wichtige Schritte zu einem glaubwürdigen gemeinsamen Zeugnis", erklärt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber.

Schon Ende des 14. Jahrhunderts war Hermannstadt ein wichtiges Handelszentrum und die bedeutendste der legendären sieben Wehrburgen, die Siebenbürgen seinen Namen gaben. Hermannstadt, erstmals 1191 im Zusammenhang mit der Propstei "Prepositura Cibiniensis" erwähnt, hat nicht nur Besuchern viel zu bieten. Auch Einheimische fühlen sich zwischen den prachtvollen Bauten aus verschiedenen Epochen sehr wohl.

Dies ist ein Grund, weshalb die 260.000-Einwohner-Stadt inzwischen nach Bukarest die zweitteuerste Stadt des Landes ist. Ein weiterer sind die zahlreichen Investoren. Ob Autozulieferer, IT-Spezialisten, Transportunternehmen, Baufirmen oder europaweit präsente Handelsketten: Sie alle wollen am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt teilhaben.

Unternehmen, die in den neunziger Jahren vor allem im Textilbereich auf günstige Lohnveredelung setzten, haben sich hingegen inzwischen überholt, berichtet Anca Muntean von der örtlichen Handelskammer. Neben den Preisen für Wasser und Strom steigen nämlich auch die Arbeitslöhne und der rumänische Leu gewinnt an Wert gegenüber dem Euro – alles Folgen des Wandels Rumäniens vom Schwellenland zum vollwertigen EU-Mitglied.

Hohe Lebensqualität verdankt Hermannstadt neben der starken Wirtschaftskraft und dem guten Stellenangebot auch seiner lebendigen Theater- und Kulturszene und den nahe gelegenen Karpaten, die zum Wandern und Skifahren einladen. Hinzu kommt ein reiches Bildungsangebot mit der Lucian-Blaga-Universität und verschiedenen deutschsprachigen Schulen wie dem Brukenthal-Lyzeum.

Die Siebenbürger Sachsen, die nicht aus Sachsen, sondern wohl aus den Moseltälern stammen, kamen Mitte des 12. Jahrhunderts in das heutige Transsilvanien. Der ungarische König Geisa II. holte sie, um das Land an der Grenze zwischen Europa und den Reichen Asiens urbar zu machen und gegen die einfallenden Mongolen, Türken und Tataren zu schützen.

Die mehr als 800-jährige friedliche Koexistenz deutscher Siedler – der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben – und Rumänen hat eine stabile Basis für die deutsch-rumänische Zusammenarbeit bis in die Gegenwart geschaffen. Um 1900 hatte jeder zweite Bewohner von Hermannstadt deutsche Wurzeln, vor der Wende gab es noch 20.000 Deutschstämmige.

Obwohl die Deutschen heute neben Rumänen, Ungarn und Roma nur noch eine Minderheit von einem Prozent bilden, wurde der Siebenbürger Klaus Johannis 2004 schon das zweite Mal zum Bürgermeister von Hermannstadt gewählt. Diese deutsche Minderheit ist fast durchweg evangelisch, denn mit der Reformation traten die Siedler geschlossen zum Protestantismus über.