Mit Gottes Segen nach Sibiu

Europäische Kirchen aller Konfessionen treffen sich in Rumänien

03. September 2007

„Ready for take off“ heißt es am Dienstag für die 160 deutschen Delegierten der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu. Dort treffen sich Delegierte aus ganz Europa zur letzten Station des Pilgerwegs, mit dem die Kirchen Europas ihre ökumenischen Versammlungen in Basel (1989) und Graz (1997) fortsetzen. Das abschließende Treffen in Sibiu (Hermannstadt, Rumänien) ist die vierte Station des gemeinsamen Pilgerwegs, der mit einem ersten Vorbereitungstreffen in Rom (2006) begonnen hat, von Treffen an der Basis in den Kirchengemeinden (2006 und 2007) und einem Vorbereitungstreffen in Wittenberg (2007) fortgesetzt wurde. Mit einem Reisesegen im Münchener Flughafen werden die deutschen Delegierten aus allen christlichen Konfessionen auf ihren Weg nach Sibiu entlassen. Der katholische Flughafenseelsorger Leo Mosses und die evangelisch-methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner feiern kurz vor dem gemeinsamen Abflug nach Rumänien in der Abflughalle C-West im Terminal 1 mit allen Delegierten einen Gottesdienst.

„Das Licht scheint auf alle – Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ ist das Treffen von über 2.500 Christen aus Europa in Sibiu überschrieben. Delegierte aus Basisgruppen, Kirchengemeinden, Kirchenleitungen und ökumenischen Bünden diskutieren miteinander, was es heißt Kirche im veränderten Europa zu sein. Grundlage der Gespräche ist die Anfang des 3. Jahrtausends unterzeichnete Charta Oecumenica, das erste alle Kirchen umfassende Dokument Europas seit eintausend Jahren. Das Dokument wird Leitfaden für die Arbeit in Sibiu sein.

Geistliches und Theologisches wird in Rumänien ebenso beraten wie Fragen des gemeinsamen Lebens und der Verantwortung für gesellschaftliche Zusammenhänge in Europa. Eine Konsequenz haben die Delegierten schon vor dem Abflug gezogen. Da Flüge das Klima belasten und zur Klimakatastrophe beitragen, haben sich die deutschen Delegierten bereit erklärt, einen Beitrag zu leisten, um die negativen Auswirkungen des Fluges nach Sibius zu kompensieren. Die Delegierten der deutschen Mitgliedskirchen der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) stellen ihren Beitrag einem Projekt der KEK zur Verfügung, das einen Wald in der Nähe von Sibiu wieder aufforsten will. Die katholischen Delegierten stellen ihren Beitrag der Aktion „Atmosfair“ zur Verfügung.

Die KEK will mit den entsprechenden Beiträgen Bäume in Wäldern Siebenbürgerns anpflanzen. Dazu meint Hans-Hermann Böhm, Delegierter in Hermannstadt für das Europäische Christliche Umweltnetzwerk und Umweltebauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: „Was zunächst wie ein Ablasshandel für Klimasünden erscheint, wird in Hermannstadt und Umgebung mehreren Personen Arbeit verschaffen. Die gepflanzten Bäume werden Kohlendioxid binden und später als Biomasse zur Verfügung stehen.“

Schon im Vorfeld der Versammlung wurde für die Evangelische Kirchengemeinde Hermannstadt ein Umweltmanagement-System mit Hilfe der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg aufgebaut. Auf diese Weise können die Teilnehmer aus Europa Beispiele für Klimaschutz und Energiesparen mit eigenen Augen sehen und dann hoffentlich in ihre eigenen Kirchen und Gemeinden übertragen. Hans-Hermann Böhm hofft, dass die Versammlung den Vorschlag aufnimmt und empfiehlt, einen Tag der Schöpfung im Kirchenjahr zu feiern. Dieser neue Festtag wurde vom ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Dimitrios I., vorgeschlagen.