Kainszeichen gegen Todesstrafe

Auslandsbischof Schindehütte zum Tag gegen die Todesstrafe

10. Oktober 2007

Todesstrafe - Gefängnis

„Gott machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge.“(1. Mose 4,15) Anlässlich des „Internationalen Tages gegen die Todesstrafe“ am 10. Oktober erinnerte der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Martin Schindehütte an jene biblische Geschichte, in der der Brudermörder von Gott selbst vor der Strafe durch den eigenen Tod geschützt wird. Gleichwohl habe es auch im Christentum bedrückend lange gedauert, bis ein klares und unbedingtes Nein zur Todesstrafe ausgesprochen werden konnte.

Darum bekräftige die EKD ihre Forderung nach einer weltweiten Abschaffung und Ächtung der Todesstrafe. Wenn auch eine klare Tendenz zur Abschaffung der Todesstrafe zu erkennen sei, seien es nach Angaben von amnesty international doch immer noch 68 Staaten, die rechtlich an der Todesstrafe festhalten. Nur wenige jedoch vollstrecken tatsächlich jedes Jahr auch Todesstrafen. 94 Prozent aller weltweiten Hinrichtungen fanden nach Recherchen von amnesty international im Jahre 2005 in den vier Ländern VR China (1770), Iran (94), Saudi-Arabien (86) und USA (60) statt.

Für 2006 schreibt amnesty international in einem Anfang Oktober erschienenen Infopaket: „Die schon in den Vorjahren gilt auch für 2006, dass die weitaus meisten registrierten Hinrichtungen in nur einigen wenigen Staaten vollzogen worden sind. Insgesamt ist in der VR China im Jahr 2006 mindestens 1.010-mal die Todesstrafe vollstreckt worden, allerdings gehen Experten von bis zu 8.000 Exekutionen aus. In Iran betrug die Zahl der Hinrichtungen wenigstens 177 gegenüber 94 in 2005. In Pakistan wurden mindestens 82 Menschen exekutiert (2005: 31), in Irak und Sudan jeweils mehr als 65. In den USA sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr leicht von 60 auf 53. Damit fanden 2006 91 Prozent aller Hinrichtungen, von denen amnesty international 2006 weltweit erfahren hat, allein in diesen sechs Staaten statt.“

Die Abschaffung der Todesstrafe sei ein wesentliches Merkmal eines demokratischen Rechtsstaates, sagte Bischof Martin Schindehütte. Wenn auf die Möglichkeit der Todesstrafe verzichtet werde; komme zum Ausdruck, dass der Staat seine Macht und Rechtskompetenz nicht unbegrenzt ausüben könne. Schon der erste Brudermord in der biblischen Überlieferung zeige, dass es nicht Ziel sein könne, Täter aus der Gemeinschaft zu entfernen, sondern gemeinsam nach Wegen gesucht werde, sie in die Gemeinschaft zurück zu führen.

Der Auslandsbischof der EKD verwies bei der Überlegung, wie mit Schuld umzugehen sei, auf eine Antwort Jesu, als dieser konkret mit dieser Frage konfrontiert wurde. Als, dem damaligen Recht entsprechen, eine Ehebrecherin gesteinigt werden sollte, verhinderte Jesus dies mit der Aufforderung an jene, die die Frau steinigen wollten: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie“ (Johannes 8,7)

In der Bibel wird vom ersten Brudermord und der Reaktion Gottes so berichtet:

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des HERRN. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden. Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir's gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet. Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.


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