Gemeinsam für mehr Toleranz

Kirche und Sport engagieren sich für Integration

23. Oktober 2007

„Fußball kann man aber auch zusammen spielen, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, schließlich kennt jeder das Spiel.“ Die beiden 12jährigen Joel und Valerio, die aus Italien stammen, sind begeistert, dass beim Fußball die nationale Abstammung keine Rolle spielt. Der 13jährige Nico und der 11jährige Luca – auch beide italienischer Abstammung – entdecken allerdings noch eine weitere Möglichkeit: „In der Gruppe sollte deutsch gesprochen werden, damit sich alle verstehen!“ Allen vieren ist eines gemeinsam: Sie wollen nicht über die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund theoretisch reden, sondern miteinander spielen und das Runde ins Eckige kicken. Yannick, 15 Jahre und aus Deutschland stammend, sieht das genau so: „Ich habe viele ausländische Freunde!“, wenn er dabei auch „Menschen mit Migrationshintergrund“ nicht so „politically correct“ bezeichnet.

„Zur Integration gibt es keine Alternative. Das erfordert von allen Seiten große Anstrengung,“ weiß der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber. Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, ergänzt, „Kirche und Sport stehen als wichtige Institutionen, die Menschen zusammenführen können, besonders in der Verantwortung. „Wenn Integration gelingen soll, brauchen wir die Zusammenarbeit vieler Unterstützer als Fundament,“ erklärt Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der bei Kirche und Sport ähnliche Werte entdeckt und sie mit den Stichworten „Fair play, gegenseitiger Respekt und Toleranz“ beschreibt.

Beispiele für gelingende Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte haben die Kirchen zusammen mit Vertretern aus dem Sport in der Broschüre „Gemeinsam Gesellschaft gestalten. Integration durch Kirche und Sport“ gesammelt. So etwa das vom Eichenkreuzsport Nürnberg regelmäßig veranstaltete „Fußballfest gegen Rassismus“. Beim letzten Mal haben zehn Teams aus der evangelischen Jugendarbeit, den Kirchengemeinden, einem türkischen Kulturverein, mit Flüchtlingen aus Sri Lanka und mit unbetreuten minderjährigen Flüchtlingen aus Afrika um den Turniersieg gespielt. Geschlossen wollen Spieler, Trainer und Organisatoren gegen „Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Alltag oder bei Sportveranstaltungen antreten“, deshalb kicken sie nicht nur um Sieg und Platzierung, sondern unterschreiben auch eine Selbstverpflichtung: „Wir verpflichten uns, bei Sportveranstaltungen alle Menschen als unsere Partner zu achten, die anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung sind als wir, und akzeptieren sie so, wie wir akzeptiert werden wollen,“ heißt es darin. Für dieses Engagement ist der Eichenkreuzsport, also die Sportarbeit der evangelischen Jugend Nürnberg mit dem Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußballbundes ausgezeichnet worden, der für den Einsatz für Menschenwürde und Toleranz verliehen wird.

Doch nicht nur beim Fußball überwindet das Zusammenspiel in der Mannschaft und der Respekt vor dem Gegner die Grenzen, die Rassismus und Fremdenfeindlichkeit so schnell wachsen lassen: „Als ich von Georgien nach Deutschland kam, war zunächst alles fremd für mich. Ich hatte Schwierigkeiten mich zurecht zu finden. Über meinen Sport habe ich Anschluss gefunden,“ erinnert sich Anna Dogonadze, Olympiasiegerin 2004 im Trampolinspringen, Integrationsbotschafterin des DOSB. Und Atika Bouagaa, Mitglied der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft, ergänzt: „Ich habe täglich Kontakt zu meinen Mannschaftskolleginnen, die aus unterschiedlichen Nationen kommen.“ Auch sie ist mit Anna Dogonadzwe und Ebru Shikh Ahmad, Karate-Europameisterin, eine der drei Integrationsbotschafterinnen des DOSB.

Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, begrüßt, dass die Kirchen und der Sport bereit sind, diese besondere Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Mit der Broschüre würden „die Sportvereine und die Jugendorganisationen der Kirchen Ideen und Handlungsempfehlungen für eigene Integrationsprojekte“ erhalten.

EKD-Pressemitteilung "Kirche und Sport unterstützen Integration"

Informationsbroschüre "Gemeinsam Geseellschaft gestalten - Integration durch Kirche und Sport"

Verleihung des Julius-Hirsch-Preises

Eichenkreuzsport Nürnberg