Evangelisch sein: Hier stehe ich, ich kann nicht anders

Aus Luthers Widerspruch entstand die evangelische Kirche

31. Oktober 2007

Martin Luther - Szenenfoto aus dem Lutherfilm

Papst Leo X. wollte vor 500 Jahren den Petersdom neu bauen lassen. Dafür brauchte er viel Geld, unvorstellbar viel Geld. Um an dieses Geld zu kommen, schien fast jedes Mittel recht zu sein. Eine Idee war, Prediger loszuschicken, die den Ablass, den Loskauf von Sünden als Form der Buße, verkaufen sollten. Diese Ablasshändler schwärmten aus. Sie schürten die Ängste der Menschen. Ein besonderer Trick war die Aufforderung, die verstorbenen Eltern mit einem Ablassschein aus dem Fegefeuer freizukaufen. „Sobald dass Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Albrecht von Brandenburg war damals auch Bischof von Magdeburg, Halberstadt und Mainz. Ihm kam das lukrative Geschäft gerade recht. 50 Prozent von dem in Deutschland eingetriebenen Ablass gehörten ihm.

In Wittenberg erhob Martin Luther seine Stimme gegen das Buß-Business. Im Namen Jesu Christi protestierte er gegen diese absurde Mechanik des Heils. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen über die Buße. Martin Luther ist nicht gegen Buße. Er ist nicht dagegen, die eigenen Sünden zu erkennen und zu bekennen. Aber er weiß: Buße kann nicht mit Geld abgegolten werden, Friede mit Gott nicht erkauft werden, Gott will nicht das Klingeln der Münzen im Kasten, sondern ein bußfertiges Leben: „44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Ablass wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit. 45. Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablass gibt, kauft nicht den Ablass des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein. 46. Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluss leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablass verschwenden.“

Luther wollte die Kirche zu ihrem Ursprung rufen. Doch Rom verweigerte sich der Erneuerung. Auch durch die Androhung des päpstlichen Banns ließ Luther sich nicht von seinen Überzeugungen abbringen. Dafür sei Gott gedankt. Was wahr ist, muss auch gesagt werden dürfen. Viele erinnern sich deshalb an diesem Tag an Luthers Sätze: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“

Luthers Thesenanschlag vor 490 Jahren ist Sinnbild geworden für die kleineren und größeren Aufbrüche, Fehlentwicklungen zu widersprechen. Im Vertrauen auf die bewegende Kraft des Christentums, darauf, dass Schwerter zu Pflugscharen werden, darauf, dass das Lamm beim Wolf liegt.

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