Willkommen in Dresden – Countdown zur Synode läuft

02. November 2007

Alles Unglück Europas käme daher, dass man Gott verloren habe, und nun meine, es ginge auch ohne ihn – zu diesem Urteil kam Fjodor M. Dostojewski im Jahr 1870 während eines Aufenthaltes in Dresden. Fast vier Jahre hielt sich der russische Dichter an der Elbe auf. Während er in einem der ersten Briefe nach Hause schrieb, es sei „ziemlich scheußlich“, findet sich später in seinem Roman „Die Dämonen“ sogar die Empfehlung nach Dresden auszuwandern: „Sie aber, emigrieren Sie nur! Und wissen Sie, ich rate Ihnen: nach Dresden, nicht auf eine einsame Insel. Erstens ist Dresden eine Stadt, die noch nie eine Epidemie erlebt hat, und da Sie ein gebildeter Mann sind, haben Sie ja bestimmt Angst vor dem Tod; zweitens ist es nicht weit von der russischen Grenze, man kann daher schneller seine Revenuen aus dem lieben Vaterland beziehen; drittens birgt es sogenannte Kunstschätze, und Sie sind ein ästhetischer Mensch, früherer Literaturlehrer, wenn ich nicht irre; und schließlich besitzt es seine eigene kleine Taschenschweiz - dies nun mehr für die dichterische Inspiration, denn gewiß schreiben Sie auch Verse. Kurz und gut, ein Schatz in der Tabakdose.“ Ihn selbst trieb vor allem die Flucht vor Gläubigern ins Ausland. Und so wirkt das Dichter-Denkmal vor dem Internationalen Congress Center Dresden recht sorgengeplagt.

Richtung Süden schaut der berühmte Schriftsteller, in die Richtung der Russisch-Orthdoxen Kirche, in der seine Tochter Ljubow getauft wurde. Dostojewski erhoffte sich vom orthodoxen Glauben die Erleuchtung der „erblindeten westlichen Menschheit“. Was er wohl zum Schwerpunktthema der EKD-Synode gesagt hätte? „Evangelisch Kirche sein“ steht ab Montag im Mittelpunkt der Beratungen im Internationalen Congress Center Dresden.

Eindrucksvoll erhebt sich das moderne Bauwerk aus Glas und Stahl hinter dem Dostojewski-Denkmal. Im Querschnitt erinnert es an ein großes Kreuzfahrtschiff mit verschiedenen Decks. Eine Besonderheit fällt dabei sofort ins Auge: Die EKD-Synode wird in diesem Jahr unvermeidlich „auf die schiefe Bahn“ geraten. Die so genannte Terrassenebene zieht sich schräg durch das ganze Congress Center. Doch egal, ob man auf abschüssiger Bahn oder aufstrebend, ob treppauf oder treppab unterwegs ist, fast überall im Gebäude lockt der Blick hinaus auf die Elbe und die Altstadt von Dresden. Dorthin brechen die Tagungsteilnehmer am Sonntag Vormittag zum Gottesdienst in der Kreuzkirche auf. Wer nicht in Dresden dabei sein kann, kann ab 9.30 Uhr den Gottesdienst im ZDF live mit feiern.

Bis dahin gibt es im Congress Center noch viel zu tun. Wo beim Aufhängen des Bühnenbildes dem Augenschein misstraut wird, sorgt die Wasserwaage für Gewissheit – dann ist es gerade. Die Saaltechnik rückt das Rednerpult ins rechte Licht. Nun müssen noch 180 Tische auf die knapp 1.200 Quadratmeter des Plenarsaals verteilt und mit Dokumenten und Gesangbüchern bestückt werden. Auf gerader Ebene – der Konferenzebene des Congress Centers – entsteht ganz nebenbei eine kleine Messe: Fast 30 Anbieter aus der evangelischen Kirche stellen in Dresden ihre Arbeit vor. Mit dem sächsischen Dialekt kommen die Mitarbeitenden aus dem hannoverschen EKD-Kirchenamt von Tag zu Tag besser zurecht. Und eines, das haben sie schnell gelernt, hilft fast immer: „Nu...“