„Hier stehe ich, ich bin evangelisch“

Synode diskutiert „evangelisch Kirche sein“

05. November 2007

Synodenplenum

„Der liebe Gott spielt nicht Blindekuh mit den Seinen“ – Peter Bukowski, der den Kundgebungsentwurf „evangelisch Kirche sein“ in das Plenum der EKD-Synode einbrachte, war um griffige Gewissheiten nicht verlegen. Weit offene Augen empfahl Bukowski für den Weg, den die evangelische Kirche im aktuellen Reformprozess zu gehen hat: Auch wenn die Kirche ihre Orientierung vom Hören auf die Worte des Herrn und von der Besinnung auf den Grund, der die Kirche trägt, erhalte, sei sie nicht der Pflicht einer „möglichst präzisen, alles menschliche Wissen dankbar in Anspruch nehmenden Analyse“ der Wegstrecke entbunden. Augen auf und durch - damit das gelingt, hatte sich der Vorbereitungsausschuss in seinem Kundgebungsentwurf an eine theologische Orientierung, an die Erinnerung an „Wesen und Auftrag der Kirche“ gewagt. Ganz bewusst, so Bukowski, habe man einen Augenblick der „Entschleunigung“ im laufenden Reformprozess einbauen wollen.

Als Dreh- und Angelpunkt, als „Grundakt“ kirchlichen Lebens schlechthin stellt der Kundgebungsentwurf den Gottesdienst in die Mitte. Bukowski erklärte: „Der Gottesdienst bringt die wesentlichen Dimensionen des kirchlichen Auftrags zur Darstellung.“ Als da wären: Gottesbegegnung, Lebenserneuerung, Gemeinschaft.

Im Blick auf letzteren Begriff brach Bukowski ausdrücklich eine Lanze für die Synode der EKD: Gerade in Zeiten der Krise tue es auch Protestanten gut, daran erinnert zu werden, „dass unsere Kirche auf allen Ebenen ihres Handelns – auch auf der Ebene der Leitung – auf die Gaben der Vielen vertraut“. Ganz nach Zwingli lenkte Bukowski die Aufmerksamkeit auf die in der Kundgebung formulierte Forderung, die Verantwortung der Synode im Reformprozess zu stärken. Er bat darum, zu prüfen, ob das synodale Element künftig gestärkt werden könne, damit „eine gestärkte Synode eine verbindlichere Gemeinschaft im deutschen Protestantismus befördern kann“.

Ohne eine theologische Orientierung, wie der Kundgebungsentwurf sie anbiete, „würde den protestantischen Leuchtfeuern bald der Brennstoff ausgehen“, lobte der Synodale Michael Beintker den Charakter des Entwurfs. Während die inhaltliche Konzentration auf die Behandlung des Gottesdienstes von einzelnen Synodalen kritisiert wurde, hielt Beintker es für „klug, den Herzschlag des Gemeindelebens zum ekklesiologischen Hologramm zu erheben.“ Auch der Vorsitzende des Rates, Bischof Wolfgang Huber, erntete viel Applaus mit seiner Feststellung: Die Beschäftigung mit dem Gottesdienst sei keine nach innen gerichtete Bewegung. „Was die Menschen von Kirche erwarten, ist Gottesdienst. Guter, ausstrahlungskräftiger Gottesdienst.“ Wenn der im Kundgebungsentwurf beschriebene Dreiklang zwischen Gottesbegegnung, Lebensorientierung und Gemeinschaft in einem Gottesdienst gelänge, „dann wissen die, die dabei waren, dass sie ihre Zeit nicht unnütz verbracht haben.“ Wichtig sei, dass sich das Wirken der Kirche aus dem Gottesdienst in die Gesellschaft hinein transportieren lasse.

Die Synodale Katrin Göring-Eckhardt lobte das „entschleunigende“ Moment der Kundgebung. Verglichen mit dem politischen Prozess der Föderalismusreform – „wo man in der Bildungspolitik nun weniger gemeinsam macht als vorher“ - bedeute dieses Moment eine Chance für verantwortliches Handeln.“ Göring-Eckhardt forderte mehr Selbstbewusstsein der Protestanten: Wenn man als Kirche für andere gut sein wolle, müsse man zuerst kundtun, was man selbst an seiner Kirche schätze. In diesem Sinne könne die EKD durchaus als „Club anbietbar sein“, zu dem auch andere dazugehören wollten. Dann sei es möglich, ganz gelassen und selbstbewusst zu sagen: „Hier stehe ich, ich bin evangelisch und das ist sehr gut“.



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