In Würde leben – trotz HIV / Aids

Rote Schleife erinnert an die Aids-Kranken und HIV-Infizierten

26. November 2007

In diesen Tagen tragen wieder mehr Menschen eine rote Schleife am Revers oder am Pullover: Diese rote Schleife ist das prägnante und weltweit bekannte Zeichen des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember. Immer mehr Menschen stecken sie nicht nur an diesem Tag als Symbol der Solidarität und Mitmenschlichkeit an ihre Kleidung, tragen sie das ganze Jahr – darunter auch Politiker und TV-Stars. Das Kennzeichen, das sich über den gesamten Globus verbreitet hat, entstand zu Beginn der 80er Jahre in den USA als Reaktion auf die ersten Aids-Toten. Die amerikanische Tradition, eine Stoffschleife um einen Baum zu binden – besungen in dem Lied „Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree“ – um Zuneigung, Sympathie zu einem weit entfernten Menschen zu zeigen, inspirierte die Aktion. Steht die ursprüngliche Farbe Gelb durch eine Sage aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und das Lied für vermisste Familienangehörige und Freunde, signalisiert die Farbe rot Liebe, Blut und eben Gefahr. Damit kommt über die Sympathie hinaus auch die Warnung vor der Krankheit in der Aids-Schleife symbolisch zum Ausdruck.

Die Immunschwächekrankheit Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome) wird durch das HI-Virus ausgelöst. Der Erreger überträgt sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, verunreinigte Injektionsnadeln und verseuchte Blutkonserven. HIV-positive Frauen können ihre Kinder während der Schwangerschaft, vor allem aber während der Geburt und in der Stillzeit, anstecken.

Derzeit sind nach UN-Angaben 33,2 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus infiziert. Rund 2,5 Millionen steckten sich 2007 neu an, 2,1 Millionen starben in diesem Jahr bisher an der Krankheit. Damit haben die UN ihre Zahlen erheblich nach unten korrigiert: 2006 noch gaben sie die Zahl der Infizierten mit 39,5 Millionen an. Hintergrund sind vor allem veränderte statistische Erfassungsmethoden, aber auch erfolgreiche Anti-Aids-Programme. Mehr als zwei Drittel aller Infizierten lebt in Afrika südlich der Sahara.

In Deutschland leben nach Angaben des Robert-Koch-Institutes 56.000 HIV-infizierte Menschen. Im ersten Halbjahr 2007 wurden 1.334 neue Infektionen diagnostiziert. Wichtigste Betroffenengruppe sind dabei mit 64 Prozent Männer, die Sex mit Männern haben.

Trotzdem sei in Deutschland ist die Aufmerksamkeit für HIV und Aids stark zurückgegangen, hat der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, im Sommer festgestellt. Die Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD hat da ihre Studie „Für ein Leben in Würde. Die globale Bedrohung durch HIV / Aids und die Handlungsmöglichkeiten der Kirche“ vorgestellt.

Nach anfänglichen Befürchtungen, eine massive Epidemie würde auch Deutschland heimsuchen, werde diese Krankheit nun wieder als „die Krankheit der anderen“ aufgefasst, die die deutsche Öffentlichkeit nicht stark berühre, schreibt der Ratsvorsitzende im Vorwort. In Prävention und Aufklärung werde immer weniger investiert, in Folge neuer Therapiemöglichkeiten wiegten sich viele Menschen in falscher Sicherheit: „Dabei besteht für Entwarnung kein Anlass. Nach wie vor ist Aids eine tödliche Krankheit, an der weltweit jedes Jahr etwa 3 Millionen Menschen sterben. Auch in Deutschland und anderen wohlhabenden Ländern kann die Krankheit nur gelindert, aber nicht geheilt werden. Auch wenn die Infektionsrate in Deutschland im Vergleich zu anderen Teilen der Welt als sehr gering bezeichnet werden kann, ist HIV/Aids dennoch nicht nur ein Problem der anderen. Das gilt insbesondere für eine christliche Perspektive. Denn die Kirche ist eine Gemeinschaft, in der sich Gesunde und Kranke, von HIV/Aids direkt und indirekt Betroffene und Menschen, die selbst nicht erkrankt sind, als Glieder des Leibes Jesu Christi mit gleichem Wert und gleicher Würde akzeptieren und einander in Solidarität unterstützen. Diese Betrachtungsweise tragen Christen auch in die Gesellschaft hinein; denn die Würde des Menschen ist unteilbar.“

EKD-Text "Für ein Leben in Würde. Die globale Bedrohung durch HIV/Aids und die Handlungsmöglichkeiten der Kirche" als pdf-Datei

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