Der "letzte" Adventskalender

Die EKD startet Bastelinitiative im Internet

28. November 2007

Vor weit mehr als einhundert Jahren hat Johann Hinrich Wichern im Rauhen Haus in Hamburg den ersten Adventskranz aufgestellt – und es war eigentlich ein Adventskalender mit einer Kerze für jeden Tag im Advent. Daraus geworden ist der Kranz mit den Kerzen für die vier Sonntage im Advent und der Adventskalender in der heutzutage bekannten Form, 24 Türchen zum Öffnen, dahinter eine Süßigkeit, zumeist Schokolade – oder 24 Säckchen an einer langen Schnur von der Mutter oder der Patentante liebevoll mit kleinen Überraschungen bestückt – oder das Buch mit 24 Geschichten zum Lesen – oder die Postkarte mit 24 kleinen Türchen, hinter denen sich Tag für Tag ein kleines Bild verbirgt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Schokoladenindustrie und Werbewirtschaft, aber auch die vielen Geschäfte, in denen man das Schöne kaufen kann, das niemand braucht, haben den Adventskalender schon längst entdeckt. Wer jeden Tag im Dezember bis zu Weihnachten ein Türchen mit Traumautos öffnet, bindet sich in seinen Wünschen an diese Marke. Und was für das Herrchen das Auto, ist für den Hund der Weihnachts-Knochen, Adventskalender mit Leckerlis für Hunde kann man in so großer Zahl zum Bestellen finden, dass alleine die Auswahl schon eine Qual ist.

Über vier Millionen Treffer finden sich zum Adventskalender im deutschsprachigen Internet, an vorderster Stelle zwei große Versandhäuser. Online-Adentskalender – in den Kindertagen des Internet noch etwas Besonderes und Ungewöhnliches, gibt es inzwischen als Text-, Bild-, und Audio-Versionen. Wenn schon multimediale Inhalte nichts Außergewöhnliches sind, so lässt sich Aufmerksamkeit nur noch durch einen frühen Start erhaschen, „es ist wieder einmal soweit: 40 Tage vor Weihnachten ist unser neuer MP3-Adventskalender 2007 online.“, wirbt schon seit Oktober ein Audio-Online-Adventskalender. Je früher und schneller, desto besser.

Der Advent ist anscheinend nicht mehr im Dezember, sondern rückt immer weiter nach vorne im Jahr. „Advent ist im Dezember“, so heißt eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Beschleunigung im Handel, immer schneller und früher Advents- und Weihnachtsprodukte auf den Markt zu werfen, wird hier eine Entschleunigung entgegengesetzt. Wer den Advent im Dezember belässt, kann den November als stillen Monat entdecken und den Dezember als Advents- und Weihnachtsmonat bewusster wahrnehmen.

Deshalb gehört der EKD-Adventskalender nicht zu den ersten im Netz, sondern zu den letzten, die online gehen. Er startet genau in der Mitte der Woche zwischen Ewigkeitssonntag und erstem Advent. Die gute Tradition, für nahe stehende Menschen einen Adventskalender zu basteln, wird ins Internet übertragen. Wer möchte, kann aus Texten und Bildern für andere einen Kalender gestalten, den Freunde und Verwandte dann Tag für Tag, von erstem Dezember bis Weihnachten per Email erhalten. Solch einen Kalender in einer digitalen Werkstatt zu gestalten braucht Zeit und dauert länger als ein Online-Bestellvorgang mit Zahlungsabwicklung, doch wer einen so selbst gebastelten Kalender erhält, erfährt: da hat mir jemand auch Zeit geschenkt – ein wertvolles Gut in unser schnelllebigen Zeit.

Advents-Initiative der Evangelischen Kirche im Internet