„Prosit Neujahr“

Das Kirchenjahr beginnt einen Monat vor dem Kalenderjahr

03. Dezember 2007

Feuerwerk an einem Kirchengebäude

Es mag in den Tagen nach dem ersten Advent geschehen, dass einer dem anderen ein gutes neues Jahr wünscht. Derjenige, der diesen Wunsch äußert, ist nicht seiner Zeit voraus oder hat sich im Kalender geirrt, sondern denkt an einen Jahreslauf, der weithin in Vergessenheit geraten ist. Auch wenn er mit seinem Neujahrswunsch zu Beginn des letzten Monats im Kalenderjahr manches Kopfschütteln ernten wird, hat mit dem ersten Advent ein neues Jahr begonnen.

Viele Menschen, die nach dem Julianischen Kalender leben, haben sich daran gewöhnt, dass für Juden, für Muslime oder auch für Chinesen das Jahr einen anderen Rhythmus hat und deren Neujahrsfest nicht beim Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Januar gefeiert wird. Still und unbemerkt, fast ein bisschen vergessen ist, dass das Kirchenjahr der Christen auch einen anderen Rhythmus kennt: Nicht acht Tage nach dem Heiligen Abend beginnt das neue Kirchenjahr, sondern vier Sonntage zuvor. Ohne großes Brimborium, ohne das Anstoßen mit Sekt und ohne die Nachte erhellende Feuerwerke, sondern mit dem Gottesdienst zum 1. Advent feiern die Christen ihren Start ins neue Kirchenjahr.

Der wiederkehrende Rhythmus der Feste beginnt mit den vier Wochen, in denen Christen das Weihnachtsfest erwarten und sich auf dieses Fest vorbereiten. In der Vergangenheit war diese Vorbereitungszeit eine Fastenzeit, heutzutage ist sie geprägt durch Weihnachtsmärkte, die Weihnachtsbäckerei und die Erwartung der Kinder, dass die richtigen Geschenke unter dem immergrünen Weihnachtsbaum liegen. Weihnachten und Erscheinungsfest sind die nächsten Feiertage, bevor dann für viele zwischen Aschermittwoch und Karfreitag die Zeit kommt, in der sie an den Leidensweg dessen denken, dessen Geburt sie an Weihnachten gefeiert haben. Am Palmsonntag erinnern sie sich dann, dass Jesus einem König gleich in Jerusalem begrüßt wurde, am Gründonnerstag daran, dass Jesus mit seinen Freunden zum letzten Mal Passah gefeiert und das Abendmahl eingesetzt hat. Am Karfreitag gedenken die Christen in aller Welt dem Tod des Heilands am Kreuz auf Golgatha, bevor dann drei Tage später –Halleluja – das große Osterlachen einsetzt: „Der Herr ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“

Die Himmelfahrt Jesu – gefeiert an 40 Tage nach Ostern einem Donnerstag im Mai – erinnert noch einmal, dass der Auferstandene in den Himmel aufgefahren ist und dort sitzt zur Rechten seines Vaters. Zehn Tage später feiern die Christen gemeinsam Pfingsten, was manche als eigentlichen Geburtstag der Kirche bezeichnen. Der Heilige Geist sei an diesem Tag über denen, die mit Jesus gezogen sind, ausgegossen wurden, berichtet die Bibel. Das Pfingstfest erinnert, dass Gott gegenwärtig ist.

In der Sommerzeit sind die Feste rar, bis dann im Herbst mit dem Dank für Ernte Anfang Oktober und die Erinnerung an die Reformation Ende Oktober wieder gemeinsam gefeiert wird. Im November – sozusagen dem letzten Monat des Kirchenjahres – sind mit Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag die eher nachdenklichen und besinnlichen Feiertage. Mit der Erinnerung an den Tod und an die Sterblichkeit schließt das Kirchenjahr und der Kreis der Feste beginnt von Neuem.

So ist der erste Advent nicht nur der Start in die Weihnachtszeit, nicht nur der Start für die Aktion „Brot für die Welt“, sondern eben auch der Start in ein neues Kirchenjahr und in einen neuen Kreislauf der großen christlichen Feste. In diesem Sinne: „Prosit Neujahr!“

Adventsinitiative der EKD "Alles hat seine Zeit. Advent ist im Dezember"

Brot für die Welt