Erinnerung an die Heilige Barbara

Durch die Hand des eigenen Vaters gestorben

04. Dezember 2007

Nach dem Mittagessen hat die Mutter jedes Jahr am 4. Dezember die Gartenschere genommen und ist auf den kleinen Rasen hinterm Haus gegangen. Unaufgefordert hat sie jedes Jahr betont, dass auch ihre Mutter dies so gemacht hat, damals die Familie aber viel mehr Obstbäume besessen habe, als den einen, der in der Mitte des Rasens hinter dem Reihenhaus stand. Drei oder vier besonders schöne Zweige des Kirschbaums hat sie abgeschnitten und mit ins Haus genommen. Sie wurden in die große Bodenvase gestellt, warmes Wasser eingegossen und die Vase neben dem Heizkörper im Wohnzimmer aufgestellt.

Der 4. Dezember ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Obwohl die historische Existenz der Heiligen Barbara wenig gesichert ist, erzählt die Legende doch viel über die Frau, die als Tochter des Dioscuros am Ende des 3. Jahrhunderts im kleinasiatischen Nikomedia (heute Izmit) gelebt haben soll. Angeblich war sie eine sehr schöne und kluge junge Frau, so dass viele Männer aus Nikomedia um ihre Hand anhielten. Barbara aber wollte nicht heiraten. Sie wies die Verehrer zurück, denn sie hatte gespürt, dass es ihr in ihrem Leben um etwas anderes ging. Die junge Frau besuchte regelmäßig eine Gruppe junger Christen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich traf.

Der Vater habe seine Tochter in einem Turm eingesperrt, ob er damit die Schönheit seiner Tochter verbergen oder ob er sie von den Christen fern halten wollte, bleibt in den verschiedenen Geschichten unklar. Auf jeden Fall habe sie sich in der Abgeschiedenheit ihres Turm-Gefängnisses gegen den Willen des Vaters zum Christentum bekannt. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen zurück zu bekehren, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. Nach einer dramatischen Flucht aus dem väterlichen Gefängnis und dem Verrat durch einen Hirten, habe der Vater seine schöne Tochter zum Statthalter Marcianus gebracht. Dieser verurteilte Barbara zum Tode. Die Folterungen, die der Legende nach an Barbara verübt wurden, sind so grausam, dass sie zumindest an dieser Stelle nicht nacherzählt werden sollen. Vor ihrem Tod betete Barbara, darauf hin soll ein Engel erschienen sein und sie in ein schneeweiß leuchtendes Gewand gehüllt haben. Letztendlich habe der grausame Vater seine Tochter mit dem Schwert getötet.

Die Legende weiß, dass Barbara auf dem Weg ins Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig eines Kirschbaums hängen blieb. Sie stellte ihn, weil er abgebrochen war, in ein Gefäß mit Wasser. Dieser Zweig sei genau an dem Tag aufgeblüht, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.

Seit dem 15. und 16. Jahrhundert hat man blühende Zweige auf das kommende Weihnachtsfest hin gedeutet. Sie sollten auf das Wunder der Weihnacht hinweisen: reiche Blüten mitten im Winter. Dass gerade am Barbaratag dieser Zweigbrauch zum Einsatz kommt, wird zwar auf die Legende der Heiligen Barbara zurück geführt, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Wahl des Barbaratages für diesen Zweigbrauch eher praktische Gründe hatte. Die Knospen benötigen in etwa die Zeitspanne vom Barbaratag bis zum Heiligen Abend, um in einer warmen Wohnung aufzublühen.

Die Mutter holt den Barbarazweig aus dem eigenen Garten, anders als in früheren Jahrhunderten, als die Zweige aus fremden Gärten oder von Höfen gestohlen wurden. Davon zeugt ein polizeiliches Verbot aus dem 18. Jahrhundert, solche Zweige oder Bäume aufzustellen. Und wer keinen Garten hat, findet Barbarazweige auch auf Wochenmärkten und Weihnachtsmärkten zu kaufen: fast drei Wochen bleibt die Hoffnung, am Weihnachtsfest Kirschblüten im Zimmer zu haben.

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