Das Licht ausschalten als Zeichen für den Klimaschutz

Evangelische Kirchen beteiligen sich unterschiedlich am Klimaaktionstag

07. Dezember 2007

Hamburger Michel

Reisende und Schiffsbesatzungen, die über den Hamburger Hafen nach Deutschland kommen, werden seit Jahrhunderten vom Hamburger Michel, der Hauptkirche St. Michaelis, gegrüßt. Am globalen Klimaaktionstag wird dieser Gruß für fünf Minuten unterbrochen, denn ab 20 Uhr werden die Strahler, die eine der bekanntesten Kirche der anstrahlen, für fünf Minuten ausgeschaltet. „Licht aus“ heißt die Aktion, zu der eine Tageszeitung, ein Fernsehsender und eine Internetplattform zusammen mit verschiedenen Umweltschutzverbänden aufgerufen hat. Verschiedene Gliedkirchen haben ihre Kirchengemeinden eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen.

So werden manche Kirchengebäude, die sonst nachts beleuchteten sind, entweder in den fünf Minuten oder in der gesamten Nacht nicht angestrahlt. Dazu aufgerufen haben unter anderen die Gliedkirchen in Nordelbien, Hannover, Anhalt, der Kirchenprovinz Sachsen, Thüringen und Hessen-Nassau. Viele Kirchgemeinden verzichten aus Umweltschutzgründen generell auf das Beleuchten ihrer Kirchen oder strahlen ihre Kirchengebäude nur zu Feiertagen und am Wochenende an. Ausgeknipst werden auch die Beleuchtungen des Berliner Doms, des Schlosses Neuschwanstein, des Heidelberger Schlosses, der Alte Oper in Frankfurt oder auch in manchen Städten die Beleuchtung der Weihnachtsmärkte. Die symbolische Aktion sei nicht nur als Zeichen an die Weltklimakonferenz auf Bali gedacht, so schreibt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker an die Gemeinden seiner Landeskirche. Sie erinnere auch an eigene Möglichkeiten, etwas zum Klimaschutz beizutragen. Die Bewahrung der Schöpfung sei eines der zentralen Anliegen der Kirchen, betonte dazu der Magdeburger Bischof Axel Noack.

Der gesamte Tag – 8. Dezember – wird an manchen Orten als Klimaaktionstag mit Demonstrationen und Aktionen gestaltet. Zur Halbzeit der Klimakonferenz in Bali wollen viele noch einmal an die politisch Verantwortlichen appellieren, zu einem zukunftsorientierten Ergebnis der Beratungen und Vereinbarungen zu kommen. Viele Aktionen werden getragen von der Klima-Allianz, zu der auch verschiedene Landeskirchen der EKD gehören. Dieser Zusammenschluss aus über 80 Organisationen fordert auf: „Klimawandel geht uns alle an! Überschwemmungen, Dürreperioden und Krankheiten gefährden Millionen von Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern. Wir müssen Druck machen, damit die Politik jetzt konsequent handelt.“

Bei der zentralen Demonstration in Berlin wird unter anderem auch die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, Mitglied des Rates der EKD, sprechen. Sie ist überzeugt: „Es ist Zeit zu handeln, damit kommende Generationen leben können.“ Je länger konsequentes Handeln verzögert werde, desto schneller schreite die Zerstörung voran. Dabei würden die Folgen erst nachfolgende Generationen mit voller Wucht treffen. Nicht nur aus dieser Sicht seien die Fragen des Klimawandels eine Frage der Gerechtigkeit. Gerecht gegenüber nachkommenden Generationen handeln, betont den Aspekt der Nachhaltigkeit.

Gerechtigkeit ist aber auch gegenüber den armen Regionen der Erde gefragt, die von manchen Klimaveränderungen jetzt schon hart getroffen sind. In manchen Regionen Afrikas ist der durchschnittliche Niederschlag in den letzten Jahrzehnten um ein Viertel zurück gegangen. Dort dauern verheerenden Dürren immer länger an. Dagegen gibt es im Pazifik Inseln, die nur drei Meter aus dem Meer herausragen. Der steigende Meeresspiegel droht die Insel zu überspülen, deshalb haben die 11.000 Bewohner einer Pazifikinsel Asyl in Neuseeland beantragen müssen. Ein weiteres Beispiel ist, dass der Klimawandel eine Ausbreitung der Malaria zur Folge hat, weil die Mücke, die diese Krankheit überträgt, neue Lebensräume dazu gewonnen hat. Margot Käßmann ist sich sicher: „Es ist Zeit zu handeln, denn Fragen des Klimas sind Fragen der Gerechtigkeit.“

Schon zu Beginn der Klimakonferenz in Bali hat der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, zusammen mit dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und dem lutherischen Erzbischof der Kirche von Schweden (Uppsala), Anders Wejryd, dazu aufgerufen, Klima als gemeinsames öffentliches Gut auch der zukünftigen Generationen wahrzunehmen und entsprechend nachhaltig zu handeln. Es brauche, so das Schreiben der drei Leitenden Geistlichen, in der globalen Klimapolitik und in dem individuellen Handeln einen radikalen Wandel der Mentalität und des Bewusstseins. Dabei stelle sich auch die Frage der Gerechtigkeit: "Um ein angemessenes und gerechtes Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 zu sichern, müssen die Regierungen ein neues Verständnis des Begriffs der Gerechtigkeit entwickeln, einen Begriff, der über ihre eigenen nationalen Interessen hinausgeht und Klima als ein globales öffentliches Gut in den Blick nimmt."

Brief des Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, des Erzbischof der Kirche von Schweden, Anders Wejryd, und des Vorsitzenden des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber

Klimaappell des Ratsvorsitzenden der EKD

Rede von Landesbischöfin Margot Käßmann bei der Kundgebung der Klima-Allianz in Berlin

Informationsseiten der Klima Allianz

Informationsseiten der Aktion „Licht Aus“

Einladungsfilm „Licht aus“