Mehr vom Glauben wissen

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

28. Dezember 2007

In Berlin geht alles etwas schneller. Deshalb räumen heute schon die ersten Berliner ihre Weihnachtsbäume wieder aus dem Wohnzimmer. Dabei geht die Weihnachtszeit noch bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige. Ob deren Figuren denn dann schon an Weihnachten in der Krippe stehen dürften, fragte mich ein Gottesdienstteilnehmer im Berliner Dom. Kluge Frage.

„Wüssten Sie gerne, wie die Geschichte mit dem Jesuskind weitergeht? Dann kommen Sie  doch wieder!“ Mit dieser Einladung beginnt ein Flyer, der in vielen Kirchen zu den Gottesdiensten am Heiligen Abend verteilt wurde. Er enthält Kurzinformationen zur evangelischen Kirche und bietet einen Kontakt an, der über den einmaligen Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes hinausreicht. Die evangelische Kirche will auf diese neue Art die Verbindung zu ihren Mitgliedern pflegen. Es werden aber auch alle anderen angesprochen, die an den Fragen des christlichen Glaubens interessiert sind.

Dieses Interesse wächst. Viele Menschen strömten auch in diesem Jahr wieder in die Weihnachtsgottesdienste und Weihnachtsmusiken. Sie wollten die Weihnachtsbotschaft auf sich wirken lassen. Sie wollten die Zuversicht in sich aufnehmen, die mit der Geburt Jesu als Gottes Sohn verbunden ist. Die Zusage, dass Gott das Leben in Angst und Not ebenso begleitet wie in Glück und Freude, wird immer mehr Menschen wichtig.

An Weihnachten zeigt sich das unübersehbar. Familien gehen besonders gern zu den Krippenspielen und Familiengottesdiensten. In manchen Gemeinden kommen allein zu diesen Gottesdiensten am Heiligen Abend bis zu tausend Menschen. Viele Eltern nehmen die Aufgabe wieder ernster, ihren Kindern den Inhalt des christlichen Glaubens weiter zu geben. Sie wollen ihren Kindern klare Orientierungen vermitteln. Sie möchten ihnen Zugang zu einem Leben geben, das von Hoffnung und Nächstenliebe bestimmt ist.

Sie merken auch, dass ein Zugang zum christlichen Glauben nötig ist, um unsere Kultur zu verstehen: ihre Bilder und ihre Musik, ihr politisches Gefüge und ihre soziale Ordnung. Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder als religiöse Analphabeten aufwachsen. Deshalb hat auch eine neue Debatte über den Religionsunterricht in Berlin begonnen. Die Initiative ProReli setzt sich mit einem Volksbegehren dafür ein, dass nicht nur der Ethikunterricht, sondern auch der Religionsunterricht an den Oberschulen Berlins ein ordentliches Unterrichtsfach wird. Diesem Vorhaben wünsche ich im neuen Jahr viel Erfolg. Und allen Leserinnen und Lesern Gottes Segen.