„Am liebsten über mich selbst“

Warum in der Kirche doch gelacht werden sollte

12. April 2010

Ausschnitt aus dem Video-Clip 'Das Lachen'

"Wer zuletzt lacht, lacht am besten." Diese Weisheit kennt das Sprichwort. Und es schwingt in dieser Lebenserkenntnis eine Spur Gehässigkeit mit, weil damit das Lachen über andere gemeint ist. Trotzdem: Lachen sei gesund, ist allenthalben zu hören und in der Theologie taucht immer wieder die Frage auf, ob Jesus jemals gelacht habe. Zumindest ist in der Bibel darüber nichts berichtet: Jesus Christus weint, wütet, schimpft, erbarmt sich und liebt. Nur lachen – lachen tut er nicht. Das die Kirche lange Zeit deshalb gelehrt habe, dass Lachen verboten ist, hält der bayerische Pfarrer und Karikaturist Werner „Tiki“ Küstenmacher „für ausgemachten Käse“. Dies erklärt er in der neuesten Folge von „e-wie-evangelisch, dem Comic-Videostrip der evangelischen Kirche. Wichtige theologische Begriffe werden in dieser Serie von Bischöfen und prominenten Kirchenvertretern als Comic-Strip erklärt. Dazu gehört, dessen ist die Redaktion des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen (ekn), die die Serie produziert, auch das Lachen.

Und der bekannte Karikaturist kann auch erklären, warum das Lachverbot Käse ist: „Einige Gleichnisse von Jesus sind so richtig orientalisch, da haut er so richtig auf den Putz.“ Und er erzählt schnell das Gleichnis vom verlorenen Groschen: Eine Frau verliert eine kleine, nicht besonders wertvolle Münze, sucht sie, findet sie wieder... und macht ein Riesenfest, zu dem sie alle Nachbarinnen einlädt. Küstenmacher ist überzeugt, dass das damals, als Jesus die Geschichte zum ersten Mal erzählt hat, ein echter Schenkelklatscher war. Zumindest die Ironie der Geschichte lädt heutzutage noch zum Schmunzeln ein.

Und überhaupt, so der Theologe aus Bayern: „Ich lach tatsächlich am liebsten über mich selbst.“ So komme er am besten aus kritischen Situationen heraus, erzählt Küstenmacher, dessen Kirchenkarikaturen für viele Menschen schmunzelnde Erklärungen kirchlicher Missstände sind.

Und liturgisch, also im Ablauf des Kirchenjahres und des Gottesdienstes hat das Lachen durchaus seinen Platz: Über Jahrhunderte war es gute Tradition, die Gottesdienstgemeinde in der Osterpredigt zum Lachen zu bringen. Der „risus paschalis“ ist nicht nur eine Reaktion auf die fröhliche Nachricht von der Auferstehung Jesu, sondern symbolisiert auch die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus "verschluckt" hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Weil manche Katholiken nach der Reformation das Osterlachen auch genutzt haben, um sich über die „Evangelischen“ lustig zu machen, hat dann der Reformator Johannes Ökolampad einen kritischen Brief gegen diesen Brauch geschrieben. Vielleicht ein Grund, warum sich das Gerücht hält, dass bei den Protestanten weniger gelacht werde als bei den Katholiken.

Mehr zum Lachen erfahren alle Interessierte auf jeden Fall von Werner „Tiki“ Küstenmacher im neuesten Comic-Videostrip, der von ekn produziert wird. Zu sehen sind sie nicht nur auf kirchlichen Internetportalen wie www.ekd.de, www.evlka.de oder auch auf www.evangelisch.de, sondern dort, wo die kurzen Internetfilme zu Hause sind: www.youtube.de und auf anderen Clip-Portalen. Und bei www.antenne.com gibt es die kurzen Erklärung auch als Audiofassung. Noch mehr über das Lachen, oder auch irgendeinen anderen wichtigen theologischen Begriff, findet sich unter http://www.e-wie-evangelisch.de. Dort wurde von vielen Autoren ein Lexikon gesammelt, das spannend und unterhaltsamen Erklärungen zu Begriffen des Glaubens liefert. Zudem sind die ersten sechs Folgen der lehrreichen Reihe „E-wie-Evangelisch“ gibt es zudem unter dem Titel „Und was glaubst denn Du“ beim Lutherischen Verlagshaus Hannover. Die „Matthias Film gGMbH“ hat dazu didaktisches Material für Religions-, Konfirmandenunterricht und Erwachsenenbildung entwickelt.