Grenzgänger der Reformation

Martin Bucer - Diplomat unter den Reformatoren

7. März 2001

Am 28. Februar jährte sich zum 450. Mal der Todestag des Reformators Martin Bucer, der heute kaum noch bekannt ist. Dabei war er im Reformationsjahrhundert weit mehr als eine lokale Größe: Er hat nicht nur der Reformation im Elsass, im Südwesten Deutschlands oder in Hessen entscheidende Anstöße gegeben. Auch auf die Umgestaltung der kirchlichen Verhältnisse in der Schweiz oder in England hatte er Einfluss. Geboren wurde Martin Bucer 1491 im elsässischen Städtchen Schlettstadt, dem heutigen Selestat. Er trat später in den Dominikanerorden seiner Heimatstadt ein, wurde also wie Martin Luther Mönch. Zum ersten Zusammentreffen beider kam es 1518 in Heidelberg: Luther verteidigte dort öffentlich seine Ansichten über Kirche und Theologie. Bucer war unter den Zuhörern, ein für ihn einschneidendes Ereignis, denn von nun an prägte Luthers Theologie sein Denken.

Sein anderer großer Lehrer war der Humanist Erasmus von Rotterdam. 1523 kam Bucer nach Straßburg und entwickelte sich schnell zu einer führenden Gestalt der Reformation. Dabei war er alles andere als ein Hitzkopf, sondern wurde vor allem auch wegen seiner Vermittlungsgabe, etwa wenn es um die radikalen Täufer ging, geschätzt. Auch in Sachen Theologie hatte Bucer bald den Ruf eines geschickten Diplomaten. Im Streit um das Abendmahl, der zu einer Zerreißprobe im evangelischen Lager zu werden drohte, gelang es ihm nach zähem und mühseligen Ringen 1536 in Wittenberg immerhin, eine Verständigung zwischen Luther und den oberdeutschen Reformatoren herbeizuführen. Bucer versuchte sich weiter als Brückenbauer: Fast bis zur Selbstaufgabe verhandelte dieser ökumenisch gesinnte Reformator auch mit Vertretern der katholischen Kirche. Ende der 40er Jahre des 16. Jahrhunderts sank Bucers Stern in Straßburg: Er überwarf sich mit dem Rat der Stadt, musste 1549 Straßburg verlassen und siedelte als Theologieprofessor nach Cambrigde über, wo er am 28. Februar 1551 starb.

Martin Bucers aktuelle Bedeutung liegt nicht allein in seiner Existenz als Grenzgänger zwischen den Parteien und Regionen, sondern auch in seinen Überlegungen zur Kirche. Seine Forderung nach Glaubwürdigkeit, Profil und Erkennbarkeit evangelischer Christen blieb aktuell.



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