„Haiti ist kein Land für schnelle Lösungen“

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Haiti geht der Wiederaufbau nur langsam voran

13. Januar 2011

Aktionsbündnis zieht Jahresbilanz zu Erdbeben-Hilfe für Haiti

Mit einem Gottesdienst in den Ruinen der Kathedrale von Port-au-Prince ist am Mittwoch an das verheerende Erdbeben vor einem Jahr in Haiti erinnert worden. Das nationale Fernsehen sendete am Jahrestag ab den frühen Morgenstunden Bilder der Katastrophe vom 12. Januar 2010. Für 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr deutscher Zeit), dem Zeitpunkt des Erdbebens, waren die Bürger zu einer Schweigeminute aufgerufen. Zudem wollte Präsident René Préval am Jahrestag den Grundstein für ein Mahnmal legen.

Bei dem Erdbeben waren nach offiziellen Angaben 230.000 Menschen ums Leben gekommen. 2,3 Millionen Haitianer wurden obdachlos, die meisten von ihnen in der Hauptstadt Port-au-Prince. Ein Jahr nach der Katastrophe leben nach UN-Angaben immer noch rund 810.000 Menschen in notdürftigen Camps.

Aus Anlass des Jahrestages hatten die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner im Aktionbündnis dazu aufgerufen, in Haiti den Übergang von der humanitären Hilfe für die Erdbebenopfer zum langfristigen Wiederaufbau zu forcieren.

„Haiti ist kein Land für schnelle Lösungen“, erklärte Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, im Dezember in Berlin. Wer Haiti Jahrzehnte mit seinen ständig wiederkehrenden Naturkatastrophen und strukturellen Problemen allein gelassen habe, könne nicht „mal eben schnell ‚blühende Landschaften‘ herstellen“.

Nach Einschätzung des Aktionsbündnisses von Caritas, Diakonie, Deutschem Roten Kreuz und Unicef sei vor allem der Aufbau von verlässlichen Institutionen im Bereich Gesundheit,
Bildung, Ernährung und Kinderschutz nötig. „Trotz zahlreicher Erfolge im vergangenen Jahr sind insbesondere die ärmsten Familien und ihre Kinder von Krankheiten und neuen Naturkatastrophen bedroht. Unzureichende staatliche Strukturen und politische Instabilität erschweren den Wiederaufbau.“

Aus Sicht der Diakonie Katastrophenhilfe hatte das Erdbeben in Haiti zu einer sehr großen Spendenbereitschaft geführt: Rund 200 Millionen Euro wurden in Deutschland für die Opfer gespendet, 16,57 Millionen Euro davon an die Diakonie Katastrophenhilfe. Mehr als ein Drittel davon hat die evangelische Hilfsorganisation bereits eingesetzt und fest verplant. Weitere 6,24 Millionen Euro sollen bis 2014 nach Haiti fließen – unter anderem für den Wiederaufbau, die Ernährungssicherung und die Katastrophenvorsorge.

(mit epd)



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