"Aufeinander hören - miteinander leben"

Bundesweite Woche der Brüderlichkeit

11. März 2011

Navid Kermani

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wollen verstärkt mit dem Islam ins Gespräch kommen. Die Auszeichnung des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani mit der Buber-Rosenzweig-Medaille sei ein "Signal an die Muslime in Deutschland", sagte der Evangelische Vorsitzende des Deutschen Koordinierungsrates der rund 80 regionalen Gesellschaften, Ricklef Münnich, in Minden. In der westfälischen Stadt wird am 13. März die christlich-jüdische Woche der Brüderlichkeit zentral eröffnet. Dabei erhält mit Kermani erstmals ein Muslim die undotierte Auszeichnung des Koordinierungsrates.

Zusätzliche Aktualität gewinne die Ehrung Kermanis vor dem Hintergrund der Umwälzungen in der arabischen Welt, sagte Münnich. Mehr Demokratie und Freiheit in der Region könnten auch für Israel und die Christen im Nahen Osten von Vorteil sein. Im Kampf gegen den Islamismus habe die europäische und deutsche Politik viel zu lange mit Machthabern paktiert, "die ihre eigenen Völker ausbeuten". Der Theologe warnte zugleich vor einer "existenziellen Bedrohung Israels durch einen atomar bewaffneten Iran" und setzte sich für einen Wirtschaftsboykott gegen das Mullah-Regime ein.

Das Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit "Aufeinander hören - miteinander leben" sei angesichts der Vielfalt der Kulturen wegweisend für die Zukunft auch in Deutschland, sagte Münnich weiter. Dabei stehe der Preisträger Kermani nicht "für Multikulturalität, die alles vermischt". Die Religionen müssten vielmehr ihre je eigenen Glaubensinhalte verdeutlichen und sich in die der anderen "einfühlen".

Bei der Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit am 13. März wird unter anderen die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprechen. Als Gäste werden unter anderen der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, erwartet.

Die Woche der Brüderlichkeit dauert vom 13. bis zum 20. März. Die jährliche Aktionswoche wird von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seit 1952 ausgerichtet. Die Buber-Rosenzweig-Medaille wurde erstmals 1968 verliehen. Sie erinnert an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). (epd)



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