„Mit Geduld und Liebe haben wir es geschafft“

Die Synode erinnerte an den Zusammenschluss der EKD und des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR vor 20 Jahren

07. November 2011

Gespräch zu 20 Jahre

„Es ging etwas zu Ende, das für uns unendlich wertvoll war in schwierigen Zeiten“, blickte die ehemalige Ost-Berliner Oberkonsistorialrätin Rosemarie Cynkiewicz am Sonntagabend zurück. Bei der EKD-Synode 2011 diskutierte die ehemalige Präses der Synode des Kirchenbundes der DDR gemeinsam mit dem späteren Magdeburger Bischof Axel Noack dem damaligen EKD-Synoden-Präses, Jürgen Schmude, und Bischof Klaus Engelhardt, ehemals badischer Bischof und Ratsvorsitzender. Nach einem Rückblick von Axel Noack auf die Wendezeit ließen die vier Zeitzeuginnen und -zeugen den Anfang der „neuen EKD“ noch einmal lebendig werden.

„Unsere Art Kirche zu sein war anders“, erinnerte sich Rosemarie Cynkiewicz. In den Zeiten der DDR sei im Kirchenbund eine tragende Gemeinschaft gewachsen. „Und uns war klar, dass das, was uns wichtig war, nicht in die große Gemeinschaft der EKD-Synode hinüber zu nehmen war.“

Auch in den Zeiten der Trennung hatte es intensive Kontakte zwischen den Gemeinden in Ost und West gegeben. „Wir hatten den Mut der Kirchen in der DDR erlebt“, betonte Jürgen Schmude. Doch nun habe es „echte Meinungsunterschiede“ gegeben über das, was wichtig und was nicht wichtig war. „Aber mit Geduld und vielleicht auch viel Liebe haben wir es geschafft.“ Bei den Beratungen sei sichtbar geworden, dass während der deutschen Teilung manche schwierige Fragen im Gespräch der Kirchen nicht zur Sprache gekommen seien – vielleicht aus Rücksichtnahme. Diese Klärung musste nun nachgeholt werden. Trotz kleiner Umwege sei der Einigungsprozess insgesamt redlich und ehrlich, vernünftig und rücksichtsvoll vonstatten gegangen, sagte der langjährige Präses der EKD-Synode.

Während es seinerzeit nicht zu einer Erarbeitung einer neuen Grundordnung für die EKD kam, sei es dennoch an entscheidender Stelle zu einer Veränderung gekommen, so der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Klaus Engelhardt. War in der Grundordnung bisher von der EKD als einem „Bund“ von lutherischen, unierten und reformierten Kirchen gewesen, so sein nun von der „Gemeinschaft von reformiert, lutherischen und unierten Kirchen“ die Rede. „Das ist eine verbindlichere Aussage über das Kirche sein, als es das vorher war“, so Klaus Engelhardt. „Das war eine sehr wichtige theologische Entscheidung und dazu kam dann auch noch der Satz ‚Sie versteht sich als Teil der einen Kirche Jesu Christi‘.“  Mit der Vereinigung der alten EKD und des Kirchenbundes sei also ein wesentlicher Beitrag für eine „ernstere ekklesiologische Verbindlichkeit für die EKD“ geleistet worden.

Trotzdem gebe es aber auch 20 Jahre nach der Vereinigung noch Differenzen, so Axel Noack, ostdeutscher Pfarrer aus der Region Bitterfeld und späterer Bischof in Magdeburg: Für Kirchengemeinden in den östlichen Landeskirchen sei es bis heute selbstverständlich, dass sie den Unterhalt ihrer Gebäude selbst in die Hand nehmen müssten. Auch die Notwendigkeit des Spenden- und Kollektensammelns sei aufgrund der DDR-Erfahrung knapper Finanzen noch immer ausgeprägt. Und mit Blick auf die damaligen Auseinandersetzungen um die Militärseelsorge freute sich Axel Noack: „So kirchlich wie heute war die Soldatenseelsorge noch nie.“

Auch Jürgen Schmude widersprach mit Blick auf Religionsunterricht, Kirchensteuer und Militärseelsorge Forderungen, sogenannte Privilegien und „alte Zöpfe“ der Kirchen abzuschneiden. Die Kirchensteuer garantiere Unabhängigkeit von großen Geldgebern und vom Staat. Heute sei Christinnen und Christen möglich, sich in aller Freiheit öffentlich zu betätigen, „Aber nutzen wir auch diese Chancen?" fragte der ehemalige Synoden-Präses. Ob Kirche Flagge zeige, „liegt nicht an irgendwem, das liegt an uns“, sagte er unter Beifall. (mit epd)