Familienpapier, Flüchtlinge, Finanzen: Nikolaus Schneider spricht aktuelle Themen an

EKD-Synode startet mit dem Bericht des Ratsvorsitzenden

10. November 2013

Nikolaus Schneider

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, fordert mehr Fairness in der Diskussion über kirchliche Finanzen. Es sei zwar richtig, dass die Öffentlichkeit den Umgang der Kirche mit Geld hinterfragt, sagte Schneider am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Düsseldorf. Gerade angesichts des großen medialen Echos sei aber Sachlichkeit geboten, fügte er vor dem Hintergrund der Verschwendungsvorwürfe gegen den katholischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hinzu.

In seinem Bericht vor dem evangelischen Kirchenparlament kündigte Schneider zudem weitere innerkirchliche Debatten über das Bild von Ehe und Familie an. Außerdem verlangte er Änderungen in der europäischen Flüchtlingspolitik. Lobend äußerte sich der EKD-Ratschef zu Papst Franziskus.

Schneider trat Darstellungen entgegen, die Kirche werde vom Staat subventioniert. Wenn Kirche mit Kitas und Schulen staatliche Pflichtaufgaben wahrnehme, zahle der Staat zwar Teile der Kosten wie bei anderen freien Trägern. Aber: "Geschenkt wird da der Kirche nichts. Die Kirche entlastet vielmehr den Staat", hob Schneider hervor.

Aus der Kontroverse über das umstrittene Familienpapier will die evangelische Kirche Konsequenzen ziehen. Vor den Synodalen aus allen 20 evangelischen Landeskirchen kündigte Schneider einen weiteren Text zum evangelischen Eheverständnis an. Mit der theologischen Klärung des Leitbildes Ehe habe der Rat der EKD die Kammer für Theologie beauftragt. Schneider bat die Vertreter unterschiedlicher Positionen, ihre Haltung nicht zu einer trennenden Bekenntnisfrage werden zu lassen, sondern "im theologischen Gespräch" zu bleiben.

In seinem Bericht räumte der Ratsvorsitzende Versäumnisse in der im Sommer vorgelegten Orientierungshilfe "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" ein. Die christliche Begründung der Ehe sei nicht ausreichend reflektiert erfolgt. Konservative Protestanten und Katholiken hatten das EKD-Familienpapier kritisiert, weil es in ihren Augen die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau entwertet und die Ökumene belastet.

Der EKD-Ratsvorsitzende verlangte in seiner Rede vor den Synodalen Änderungen in der europäischen Flüchtlingspolitik. "Schutzsuchende haben einen Anspruch auf Zugang zu einem fairen und effektiven Asylsystem, auf welchem Weg auch immer sie Europa erreichen", sagte er. Konkret sollten Flüchtlinge nicht nur in dem Land einen Asylantrag stellen dürfen, in dem sie in der Europäischen Union ankommen. Zudem müsse die Verantwortung für Schutzsuchende unter den EU-Staaten gerecht verteilt werden, verlangte Schneider. Auch dürfe es keine sofortige Abschiebung von auf hoher See aufgegriffenen Menschen mehr geben.

Über die Ausstrahlung von Papst Franziskus sagte Schneider: "Dieser Papst imponiert durch seine spürbare Menschenfreundlichkeit und durch sein konsequentes Eintreten für die Belange der Armen." Von der geistlichen Melodie des Papstes und dessen theologischem Ton fühlten sich auch evangelische Christen angesprochen. Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, wies in einem Grußwort auf die "radikal soziale" Haltung von Papst Franziskus hin.

Die Synodentagung der EKD war am Morgen mit einem Gottesdienst eröffnet worden. In seiner Predigt rief der rheinische Präses Manfred Rekowski dazu auf, auf einen gerechten Gott zu vertrauen. "Auch wenn alles dagegen spricht: Gott tritt für deine Rechte ein", sagte Rekowski in dem vom ZDF übertragenen Gottesdienst.

Die EKD-Synode berät bis Mittwoch. Inhaltlicher Schwerpunkt sind die Themen Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft, die unter dem Motto "Es ist genug für alle da" diskutiert werden.