Die gute Botschaft vom friedlichen Sterben des Reformators

Zum 470. Todestag Martin Luthers

18. Februar 2016

Totenmaske Martin Luther
Totenmaske Martin Luthers in der Ausstellung im Museum "Luthers Sterbehaus" in Eisleben. (Foto: epd-Bild/Steffen Schellhorn)

Als Martin Luther vor 470 Jahren, am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben starb, gab es keinen Nachrichtenticker, keine Kameras und natürlich auch kein Internet – von "Social Media“, die einem die Informationen möglichst in Echtzeit direkt in die Hosentasche beamen, ganz zu schweigen. Dennoch sind die Ereignisse am Lebensende des Reformators für die Nachwelt gut dokumentiert. Das lag zum einen daran, dass Luther nicht allein starb: Zahlreiche Angehörige, Freunde und Weggefährten hatten sich eingefunden im Krankenzimmer des Theologen, der zu Besuch in Eisleben weilte, um in einem politischen Konflikt zu vermitteln. Dafür war er mit großem Gefolge unterwegs: Sein Diener Ambrosius Rudtfeldt, der Famulus Johannes Aurifaber, der Kollege und Freund Justus Jonas sowie seine drei Söhne, Johannes, Martin und Paul zählten zur Reisegesellschaft.

Die Gräfin rieb den Sterbenden mit Aquavit ein

Am Sterbebett des Reformators hatten sich dann auch der Pfarrer der benachbarten Andreaskirche, Michael Coelius, sowie die Wirtsleute seiner Unterkunft eingefunden. Als es Luther mit immer stärkeren Schmerzen in der Brust nicht mehr im Bett hielt und er unruhig durchs Zimmer läuft, holte man auch die beiden Stadtärzte hinzu. Und sogar Graf Albrecht, ein vehementer Anhänger der Reformation und einer der Beteiligten in dem Konflikt, für den Luther gekommen war, eilt mit seiner Frau aus dem nahe gelegenen Stadtschloss herbei. Die Gräfin soll sich ganz persönlich bemüht haben die Schmerzen des Sterbenden zu lindern, indem sie ihn mit Aquavit einrieb.

So gab es viele Zeugen für die letzten Atemzüge des 63-Jährigen, der sich schon länger dem Tode nahe fühlte. Ein "abgelebter, armer, müder, starrer und inzwischen fast einäugiger Greis“, so sprach er von sich selbst. Seine Frau Katharina sorgte sich, wenn er trotz zahlreicher Gebrechen auf Reisen ging. Ängste, die Luther in seiner ruppigen und zugleich gottergebenen Art abtat als Sorgen "der heiligen, ängstlichen Frau Katharina“ und mit dem Rat: “Bete du und lasse Gott sorgen“.

Mit ganzem Herzen engagiert für eine Sache, die er begonnen hatte

Luther war, Alter und Krankheit zum Trotz, im Einsatz – nicht unvermindert, aber schonungslos gegen sich selbst. Und auch die Anliegen an ihn wurden nicht weniger, "hielt man ihn inzwischen doch für allzuständig“, wie der Historiker und Luther-Biograf Heinz Schilling schreibt. Über seine Kernkompetenzen als Theologe hinaus war er auch in politischen Dingen ein gefragter Ratgeber und Akteur. Und er blieb bis in diese letzten Tage mit ganzem Herzen engagiert für eine Sache, die er begonnen hatte.

Diese Präsenz und natürlich seine Rolle und Ausstrahlung für die Reformation waren weitere Gründe dafür, dass es so ausführliche Berichte und Zeugnisse von Luthers Sterben gibt. Noch in der Nacht hat man einen Zeichner aus der Nachbarschaft beauftragt, den Verstorbenen im Bild festzuhalten. Am nächsten Tag fertigte der Maler Lukas Furtnagel eine weitere Zeichnung an und nahm die Totenmaske, einen Wachsabdruck des Toten, ab. Und bereits im März wurde ein von der kursächsischen Regierung beauftragtes und von Justus Jonas, Pfarrer Coelius und Johannes Aurifaber verfasstes, offizielles Protokoll veröffentlicht.

Demnach starb Luther als frommer Protestant: Die üblichen Sterbesakramente, Abendmahl und letzte Ölung, nahm er nicht in Anspruch. Stattdessen wandte er sich immer wieder mit Gebeten und mit einem letzten Glaubensbekenntnis an seinen Gott. Zwischen zwei und drei Uhr nachts soll er gestorben sein. Als Todesursache stellten die Ärzte eine Verengung am Herzen, heute als Herzinfarkt gedeutet, fest.

Getrost und getröstet in seinem Glauben

Als jungen Mönch hatten Luther der Gedanke an den Tod, die spätmittelalterlichen Szenarien des Jüngsten Gerichts mit Strafen und Verdammnis, umgetrieben und erschreckt. Der alte Mann aber starbt getrost und getröstet in seinem Glauben. Der Tod ist für Luther "der Sünde Sold". Doch durch das Sterben Christi, der alle Sünden auf sich nahm, ist er entmachtet worden: "Durch seinen Tod wurde der Tod getötet."

Dass der Reformator friedlich und im Glauben gewiss eingeschlafen ist, war daher eine wichtige Botschaft für die Anhänger der Reformation, die nun ihren führenden Kopf verloren hatten – und auch für deren Gegner. Denn nach mittelalterlichem Glauben würde ein Ketzer im Angesicht des Todes an seiner Lehre zweifeln oder sie widerrufen. "Es hing also für die protestantischen Theologen, die das Erbe Luthers zu übernehmen hatten, viel davon ab, der Welt, Freund wie Feind, bekannt zu machen, dass der Prophet christlich in seinem evangelischen Glauben und in ruhiger Zuversicht auf seinen Gott gestorben war“, erklärt der Historiker Schilling.

Auch Luthers Tod war ein Medienereignis

Wie auch andere Stationen im Leben Martin Luthers, galt sein Sterben als Zeugnis seines Glaubens und seiner Lehre. Und es wurde auch als solches von seinen Anhängern verbreitet. Luthers Leben und Wirken war auch im Tode und erst recht darüber hinaus, ein Medienereignis. Sterbeberichte, Predigten, Prozessionen, Trauerzeremonien sowie das Staatszeremoniell zum Begräbnis in der Wittenberger Schlosskirche gaben dem verstorbenen Reformator erstmals einen Platz in der Wirkungsgeschichte der Reformation, den er selbst durch keine Predigt und kein Flugblatt mehr beeinflussen konnte.

Kathrin Althans