Nikolaus Schneider: Für mehr Fortschritte in der Ökumene

epd-Logo Düsseldorf (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sollte nach Ansicht ihres amtierenden Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider die Personaldebatte über das Spitzenamt vorerst beenden und sich auf Sachfragen konzentrieren. "Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage muss deutlich werden: Wir erleben keine Krise der EKD, sondern wir sind inhaltlich und personell so aufgestellt, dass wir unseren Auftrag erfüllen können", sagte Schneider in einem epd-Interview in Düsseldorf. Der Rat und die ganze EKD müssten "so kraftvoll und überzeugend wie möglich ihre Arbeit machen".

Als wichtige Themen nannte der 62-jährige Theologe die Frage von Krieg und Frieden in Afghanistan, soziale Gerechtigkeit und den EKD-Reformprozess, der an der Basis umgesetzt werden müsse. In der Ökumene wünscht sich der amtierende Nachfolger der zurückgetretenen Margot Käßmann weitere Fortschritte, warnt aber vor übertriebenen Hoffnungen. Es müsse bei strittigen Themen wie Amtsverständnis oder Abendmahl "angemessene Wege der Weiterentwicklung" geben. "Es wird hier aber keine schnellen Lösungen geben", betonte Schneider, der auch Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. "Man kann die Probleme nicht einfach wie einen gordischen Knoten durchschlagen."

Für den Ökumenischen Kirchentag im Mai in München gibt es nach den Worten des Ratsvorsitzenden Überlegungen, dass Katholiken und Protestanten auch mit Blick auf das Abendmahl deutlich machen, "wie wir zusammengehören". Danach könnten Christen beider Konfessionen gemeinsam an einem Tisch sitzen, "der im streng theologischen Sinne nicht der Tisch des Herrn ist, aber bei dem wir auf einige liturgische Formen der Mahlgemeinschaft zurückgreifen". An solchen Überlegungen wolle er sich gerne beteiligen.

Den Konflikt mit der russisch-orthodoxen Kirche, die Gespräche mit Käßmann als oberster Repräsentantin des deutschen Protestantismus abgelehnt hatte, will Schneider nicht ohne weiteres zu den Akten legen. "Wir werden uns als Kirche der Reformation nicht verstecken oder dafür entschuldigen, dass eine Frau zur Bischöfin oder zur Ratsvorsitzenden gewählt wird", sagte er. Auch wenn die EKD nach wie vor bereit sei, mit der russisch-orthodoxen Kirche gute geschwisterliche Beziehungen zu pflegen, gebe es "ein grundsätzliches inhaltliches Problem" in Bezug auf die Frauenordination. "Dieser Konfliktpunkt ist durch einen Personenwechsel nicht erledigt, sondern er bleibt."

Der rheinische Präses legt sich weiterhin nicht fest, ob er bei der Wahl des Ratsvorsitzenden im November kandidieren wird. "Ich sage nicht von vorneherein 'Nein', wenn ich gefragt werde", sagte er und verwies auf "sehr freundliche Stimmen mir gegenüber" aus dem Rat. Entscheiden werde er aber erst, "wenn es Zeit dafür ist".

02. März 2010

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