EKD-Kulturbeauftragter betont die verbindende Kraft des Fußballs

Köln (epd). Der Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, ist skeptisch, ob durch die Fußball-Europameisterschaft politische Entwicklungen wie die Wiederbelebung der europäischen Idee angestoßen werden können. "Fußball ist Fußball", sagte Claussen im Deutschlandfunk.

Er glaube nicht, dass man Ereignisse wie die EM mit einer Strategie für solche Entwicklungen versehen könne. Fußball habe eine große verbindende Kraft, fügte Claussen hinzu. "Die Selbstverständlichkeit, mit der in Deutschland alle möglichen Menschen Nationalspieler werden können, aufgrund ihrer Leistung und ihrer Charakterfestigkeit, zeigt doch, dass polarisierende Parolen, die Empörung hochtreiben, nicht das Deutschland repräsentieren, was wir uns eigentlich wünschen."

Etwas gemeinsam machen

Nachdem nationale Ereignisse und Gottesdienste außer an Weihnachten keine rituelle Funktion mehr hätten, sei Fußball das letzte große rituelle Ereignis in der Gesellschaft, sagte Claussen. Dazu gehöre das gemeinsame Hingehen, das gemeinsame Singen, das gemeinsame Mitleiden und Mitfreuen.

Kirchen könnten etwas vom Fußball lernen, erläuterte Claussen. Ein Freund habe ihm den Gang ins Stadion wie einen guten Kirchgang erklärt: "Wir machen das schon immer so. Wir machen das zusammen. Das gehört einfach dazu." Das sei zwar etwas ganz Unspektakuläres, aber das gemeinsame rituelle Begehen sei eine große verbindende Kraft.

10. Juni 2016