„Es darf jetzt nicht heißen: Alles ist gescheitert, also geht’s nicht.“

Präses Alfred Buß wirbt für offensive Integrationspolitik

Evangelische Kirche von Westfalen

09. Dezember 2004

Für eine offensive Integrationspolitik hat der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) geworben. Von einer erfolgreichen Integration der Zuwanderer profitiere die ganze Gesellschaft, sagte Alfred Buß, leitender Theologe der EKvW, in einem Interview der in Bielefeld erscheinenden Wochenzeitung „Unsere Kirche“ (Ausgabe 12. Dezember). „Wir sind eine Zuwanderergesellschaft“, betonte der oberste Vertreter der viertgrößten deutschen Landeskirche: „Es darf jetzt nicht heißen: Alles ist gescheitert, also geht’s nicht.“

Nicht nur Muslime, sondern auch Russlanddeutsche würden sich oft abschotten und in ihrer Sprache unter sich bleiben, beklagte Buß. Der notwendige Integrationsprozess sei keine Einbahnstraße, denn auch die aufnehmende Gesellschaft verändere sich. Zu lange habe man so getan, als würden die Zuwanderer irgendwann wieder gehen – jetzt müsse aus den Fehlern gelernt werden. Aber man dürfe auch nicht alle Exzesse dulden, die manche Migranten der aufnehmenden Gesellschaft zumuteten. „Das Grundgesetz und die darin vorgesehene Form des Zusammenlebens dürfen wir nicht unterhöhlen lassen“, sagte der Präses.

Die Verfassung als wichtigste Grundlage des Zusammenlebens sei von allen zu respektieren. Das Grundgesetz atme den Geist jüdisch-christlicher Tradition und schütze Minderheiten. Menschenwürde, Gerechtigkeit und Freiheit seien grundlegende Werte unserer Gesellschaft. Buß: „Die Bibel zeugt von einem Gott, der befreit: aus Knechtschaft, aus Abhängigkeiten, in die wir Menschen immer wieder zurückzufallen drohen.“

Zum Verhältnis von Staat und Kirche sprach sich der Präses für eine klare Rollenverteilung aus – nach dem Prinzip: „Trennung von Staat und Religion – aber auch Kooperation“. Für die Schulen bedeutet das nach seiner Überzeugung, dass der Staat dort die Religionsausübung nicht betreiben, wohl aber ermöglichen soll. Das würde auch für andere Religionen gelten, wenn sie sich an das Grundgesetz halten.

Mit Blick auf die von der CDU angestoßene Patriotismus-Debatte mahnte Buß zur Zurückhaltung. Patriotismus dürfe nicht gegen andere gerichtet sein, betonte er. Auch dürfe der Begriff „Abendland“ nicht als Kampfbegriff verwendet werden. Wichtige Grundlage für das Zusammenleben ist nach Auffassung von Buß die Verfassung.

Bielefeld, 09. Dezember 2004

Andreas Duderstedt
Pressesprecher



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